Mistel in der Onkologie
 
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Mistel in der Onkologie

DIE MISTEL ALS KREBSTHERAPEUTIKUM

Dr. med. Karl Windstosser

Die Mistel wurde Anfang der zwanziger Jahre durch Rudolf Steiner, den Begründer der anthroposophischen Lehre, in die Krebstherapie eingeführt. Dies gelang nicht auf experimentellem Weg, wie sonst in der Naturwissenschaft üblich, sondern durch rein geisteswissenschaftliche Erkenntnis, wie sie schon 100 Jahre früher durch Goethe vorgezeichnet worden war.

Die Mistel liefert uns eine der wirksamsten Waffen gegen die Geschwulstleiden und ihre Vorstufen. Die Behandlung mit den daraus hergestellten Präparaten entspricht in besonderer Weise der Forderung einer nichttoxischen Langzeittherapie bei gleichzeitiger Erfassung der biologischen Totalität der Erkrankung (siehe Literatur). Für den Anfänger ist eine systematische Einarbeitung in die Materie unerläßlich, wozu ihm die verschiedenen Firmen instruktive Richtlinien liefern. Zu achten ist auf die im einzelnen Fall erforderliche Wirtspflanze der Mistel, auf die vorsichtig und individuell zu steigernde Dosierung und evtl. auf die (nur bei Iscador der Firma WELEDA übliche) Metallkombination. Auf die Schriftenreihe des Vereins für Krebsforschung, Arlesheim, Schweiz, über die Behandlungsweise der einzelnen Tumorarten sei besonders hingewiesen.

Die Mistelpräparate haben den Vorteil, daß sie nach entsprechender Anleitung vom Patienten selbst oder von dessen Angehörigen gespritzt werden können. Dies gewährleistet verantwortliche Einbeziehung des Kranken in seine Therapie, Pünktlichkeit der Injektionen und Unabhängigkeit vom Arzt. Die Mistel begleitet den Patienten, wenngleich in immer größer werdenden Pausen zwischen den Injektionsserien, über Jahre, u.U. lebenslänglich, ähnlich dem Insulin des Diabetikers. Die Injektionen erfolgen während bedrohlicher Geschwulststadien täglich, je nach dem Verlauf der Erkrankung dann mit 1 - 2 Tagen Pause. Sie können glutäal s.c. gegeben werden. Die von manchen Vertretern der anthroposophischen Medizin empfohlene peritumorale Einspritzung ist nicht zwingend erforderlich. Die Richtlinien und zahlreichen Erfahrungsberichte enthalten eine Fülle zusätzlicher therapeutischer Winke, die auch für den Schulmediziner und Kliniker äußerst wertvoll sein könnten. Es sei hier nur an die austrocknende Wirkung intrathekal gegebener Mistelpräparate nach Punktion metastatischer Pleuraergüsse erinnert.

Zum Verständnis der Misteltherapie des Krebsgefährdeten und Krebskranken müssen wir uns zunächst die Frage stellen, welche Wege zur Arzneimittelfindung denn überhaupt gegangen werden können. Da haben wir nicht selten die oft uralte Tradition aus der Erfahrung von Generationen Gesunder und Kranker oder aus Beobachtungen im Tierreich. Aus dem Wust mittelalterlicher Polypragmasie suchte HAHNEMANN einen Ausweg. Im Selbstversuch fand er den Schlüssel zu einer exakteren Beziehung zwischen dem Kranken und seinem Heilmittel. Er forderte die größtmögliche Ähnlichkeit der vorliegenden Symptomatik mit dem am Gesunden gewonnenen Arzneimittelbild. Das in unserem Jahrhundert die Medizin beherrschende Pharmawesen hat zur Persönlichkeit des Kranken überhaupt keine Beziehungen mehr. Zur Schaffung neuer Präparate bedient man sich der teils synthetischen, teils analytischen Labormethoden, teils auch moderner computergesteuerter molekularchemischer Berechnungen. Die so gewonnenen Produkte werden sodann den verschiedensten biologischen Testen, vorwiegend an Versuchstieren, unterworfen. Wenn sich bei diesem neuerdings sehr streng überwachten und sehr kostenaufwendigen Entwicklungsgang keine schädlichen Wirkungen auf den lebenden Organismus haben erkennen lassen, werden die Präparate zunächst zur klinischen Prüfung freigegeben. Erst wenn auch diese zufriedenstellend verlaufen ist, kommt das Arzneimittel auf den Markt. Mitteilungen der medizinischen Presse aus jüngster Zeit war zu entnehmen, daß das gesamte Entwicklungs- und Zulassungsverfahren eines einzigen neuen Präparates bis zu 130 Mio. DM kosten kann. 

All diese Methoden kamen bei der Erkennung der Mistelpflanze als Krebstherapeutikum nicht zur Anwendung. Die Mistel war zwar schon in frühgeschichtlicher Zeit Gegenstand kultischer Handlungen. Sie wurde von den germanischen Priestern mit silberner Sichel von den Bäumen geschnitten und durfte die Erde nicht berühren. Bekanntlich ließ Hödur, der Gott der Finsternis, Baldur, den Gott des Lichtes, durch einen Pfeil aus Mistelholz töten. Das ganze Mittelalter hindurch schwebte um die Mistel - so ähnlich wie um die Alraune - ein Hauch des Geheimnisvollen. Sie wurde gegen alle möglichen Krankheiten empfohlen, nur nicht gegen Krebs. Warum das so war, werden wir gleich erfahren. Auch HAHNEMANN konnte der Mistel ihr Geheimnis nicht entreißen, denn sie erzeugt am Gesunden weder einen Tumor noch irgendwelche Symptome, die wir bei Krebsgefährdeten und Krebskranken zu beobachten pflegen.

Es war RUDOLF STEINER, der Begründer der Anthroposophie, der in den Jahren vor dem ersten Weltkrieg - ich möchte sagen, in einer Sternstunde der Menschheit - durch einen fast meditativen Erkennungsprozeß das Wesen der Mistel erarbeitete und 1920 erstmals vor Ärzten darüber sprach. Wir nennen diese "innere Schau" den geisteswissenschaftlichen Weg, der schon von GOETHE bei vielen seiner Erkennntisse auf biologischem Gebiet benützt und vorgezeichnet wurde. Diese Denkweise steht im Gegensatz zum Vorgehen der Naturwissenschaft, die den Phänomenen hauptsächlich experimentell und messend auf den Grund zu kommen versucht. Sie kennen alle die Forderung GALILEIS, zu messen, was messbar ist, messbar zu machen, was nicht messbar ist. Das Wesen und die Ganzheit des Lebendigen wird dabei meist völlig außer acht gelassen. KÖTSCHAU, einer der Väter der modernen biologischen Medizin, schreibt dazu: "Die Gefahr des analytischen Denkens liegt darin, daß man wohl über Wirkungen redet, diese aber erst anzuerkennen bereit ist, wenn sie meßbar geworden sind. Wie aber will der Analytiker lebendige Ordnung und Ganzheit messen? Er kann nur technische, chemische, physikalische Ordnung messen, nicht aber lebendige. Die Intaktheit der Ordnung und Ganzheit einer Lebensgemeinschaft oder eines Organismus ist nicht messbar“.

Mit naturwissenschaftlichen Methoden wäre die geschwulstrelevante Wirkung der Mistel wahrscheinlich nie gefunden worden. Um dem Verständnis hierfür näherzukommen, bleibt uns keine andere Möglichkeit als in etwa die Gedankengänge STEINERS nachzuvollziehen, die freilich im Laufe der Zeit mittels nachprüfbarer Labormethoden, vor allem aber an Hand tausender von Anwendungen am Kranken bestätigt und erweitert wurden.

Wenn wir uns mit der Mistel auch nur im rein botanischen Sinn etwas näher beschäftigen, so fallen uns sofort viele Eigenschaften auf, durch die sich dieses Gewächs von der Norm anderer Pflanzen unterscheidet. Die Mistel lebt ausschließlich in den Kronen der Bäume, ein Wesen der Luft, der Sonne, der Wärme, der kosmischen Kräfte sozusagen, die ja alles Irdische am Leben erhalten und formen. Zur kalten Erde hat die Mistel nicht die geringsten Beziehungen. Sie lebt ganz dem Licht und der Wärme, zu deren Aufnahme und Speicherung sie von der Natur mit einer verschwenderischen Fülle von Chlorophyll ausgestattet wurde. Grün sind nicht nur die äußerst langlebigen Blätter, deren Ober- und Unterseite sich in nichts unterscheiden, grün sind die Stengel und der Stamm, grün sind sogar die Senker, die eine wurzelähnliche Verbindung zwischen der Mistel und ihrem Wirtsbaum herstellen und dem Licht doch nie ausgesetzt sind, grün sind auch die Kerne in den klebrigen weißen Früchten, die von bestimmten Vogelarten gegessen und an den Schnäbeln klebend oder mit dem Kot auf andere Bäume verschleppt werden.

Der wärmespeichernden Fähigkeit der Mistel entspricht auch ihre geometrisch genaue Kugelform, die uns im Pflanzenreich in dieser Exaktheit nur selten begegnet. Bekanntlich ist die Kugel der Körper, der die kleinste Oberfläche mit dem größten Inhalt verbindet. In der Kugelform äußern sich die Kräfte der Gestaltung, der Ordnung und der Rhythmik. - Und noch in einer allen anderen Pflanzen eigentümlichen Eigenschaft hat sich die Mistel emanzipiert, es ist der Geo- und Heliotropismus. Die Mistel kann nach allen Seiten gleichmäßig wachsen, auch nach unten. Nur dadurch ist sie zur Bildung der Kugelform fähig. Wir wollen uns aber all diese besonderen Eigenschaften und Fähigkeiten der Mistel merken, weil sie uns bei der Arzneifindung leiten.

Die Mistel ist, wenn wir ihr Wesen genauer kennen, auch keineswegs ein Parasit oder Schmarotzer. Zwischen ihr und ihrem Wirtsbaum besteht ein viel engeres Lebensverhältnis, dem man allenfalls mit dem Begriff der Symbiose gerecht wird. Man hat nämlich nachgewiesen, daß biologische Eigenschaften der Mistel auf den Wirtsbaum übergehen, ja, daß auf diese Weise sogar lebenserhaltende Kräfte dem Wirtsbaum gespendet werden. Die Senker produzieren enzymähnliche Stoffe, die in der Berührungszone zwischen Mistel und Wirt eine zelluläre Identität herstellen. Die Mistel verfügt über einen gegenüber dem Wirtsbaum viel lebhafteren Wasserhaushalt. Auch dieser teilt sich dem Wirtsbaum, mindestens im Bereich des von der Mistel besetzten Astes, mit. Das gleiche gilt von Eigentümlichkeiten des Pflanzenproteins, des Mineralsalz- und Elektrolytgehaltes, die man ebenfalls in der näheren und weiteren Umgebung der Mistel nachgewiesen hat. Der französische Bakteriologe BÖSPFLUG stellte eine mikrobielle Symbiose der Mistel mit den Virusformen eines Pilzes fest. Es ist erstaunlich, daß es sich hier um den von ENDERLEIN mit dem Krebsgeschehen in Verbindung gebrachten Schimmelpilz Mucor racemosus handelt, aus dem ebenfalls ein krebswirksames Präparat hergestellt wird. Aber es kommt noch interessanter.

Wenn man eine Mistel aus ihrem bevorzugten Sitz in einer Astgabel entfernt, so entwickelt sich an dieser Stelle häufig eine Geschwulst, ein Baumkrebs. Und wenn man einen Baum aller seiner Misteln beraubt, so geht dieser in der Regel nach einiger Zeit ein. Es wurde auch schon das grausame Experiment gemacht, einen Baum völlig zu entlauben. Nur sehr alte Bäume überstehen diese Mißhandlung und treiben im Laufe des Jahres oder im nächsten Frühjahr wieder. Ein im Wachstum befindlicher Baum geht daran zugrunde, es sei denn, und das ist das Geheimnisvolle - er trägt eine oder mehrere Misteln, die ihn mit kosmischen Kräften ernähren und am Leben erhalten, bis er die Kraft hat, wieder Blätter zu treiben. Misteltragende Bäume werden im allgemeinen auch sehr alt, obwohl sie mitunter einen kränklichen, dürftigen Eindruck machen. Es kommt auch vor, daß der größte Teil einer Baumkrone abstirbt und nur noch die von Misteln besiedelten Äste grünen und blühen. Meist endet das Leben der Mistel erst mit dem Leben ihres Wirtsbaumes. Man hat auch noch nie beobachtet, daß eine Mistel erfriert. Durch ihre chlorophyllbedingte Wärmespeicherung ist sie selbst gegen tiefste Kältegrade in Breiten des hohen Nordens gefeit.

Mit der sonderbaren Beziehung der Mistel zu ihrem Wirtsbaum hat sich auch die Rutenforschung beschäftigt. Man fand, daß die Symbiose immer dort gehäuft auftritt, wo die Bäume starken Erdstrahleneinwirkungen ausgesetzt sind, und daß sie dort fehlt, wo keine Wasserläufe oder Verwerfungsspalten nachweisbar sind. Deshalb ist es auch sehr schwierig, Misteln künstlich zu kultivieren. Sie müssen sich ihren Lebensraum offenbar selbst wählen und bevorzugen dabei - wie übrigens auch manche andere Heil- und Giftpflanzen - gerade das starke Erdstrahlenfeld, das den meisten anderen Pflanzen keine Lebensmöglichkeit gibt. Die Mistel ist demnach befähigt, den geopathischen Impuls in organisch-harmonisches Wachstum umzuwandeln und diese Fähigkeit sogar protektiv auf ihren Wirtsbaum zu übertragen. Gleichzeitig schützt sie ihn vor Blitzschlag.

Angesichts dieser Fülle biologischer Eigenschaften der Mistel beginnen wir nun auf einer ganz anderen als der uns geläufigen geistigen Ebene allmählich zu begreifen, warum diese Pflanze für die Krebstherapie prädestiniert ist. STEINER hatte vor 70 Jahren nur wenige dieser Anhaltspunkte für seinen Erkenntnisprozess.

Die mittelalterlichen Ärzte nannten den Krebs eine „dunkle, kalte und trockene" Krankheit. Diese Charakteristik hat trotz der unübersehbaren Fülle weltweiter onkologischer Forschungsergebnisse heute noch nichts an Aktualität verloren. Der Tumor wächst - abgesehen von dem auch andere Eigentümlichkeiten aufweisenden Melanom und dem Hautkrebs - in der dunklen Tiefe des Körpers. Der Krebskranke, meist auch schon der Krebsgefährdete, leidet an einem gestörten Wärmehaushalt. Er fröstelt und friert viel, auch im warmen Zimmer und im Bett, er hat Untertemperatur und war im Laufe früherer Erkrankungen nie fähig, richtig zu fiebern. Dabei erinnern wir uns, daß die Karzinomzellen ihr Wachstumsoptimum zwischen 30 und 35 º haben, wenn sie im Laboratorium gezüchtet werden. Höhere Wärmegrade beeinträchtigen den Stoffwechsel und das Wachstum der Krebszellen zunehmend und schädigen sie schließlich irreparabel. Dies gilt auch für die ansteigende Körpertemperatur, sei es in Form der Ganzkörperüberwärmung (Hyperthermie), sei es in Form künstlichen Fiebers (Hyperpyrese), das mittel intravenöser Injektionen, u.U. auch von Mistelpräparaten, erzeugt werden kann. Beide Arten der Überwärmung, kombiniert mit örtlicher Mikrowellendurchflutung des Tumorbereiches, wurden bekannt als "Krebs-Mehrschritt-Therapie“ (KMT), die der Dresdener Forscher Prof. MANFRED VON ARDENNE in 30-jähriger unermüdlicher Arbeit geschaffen und laufend verbessert hat.

Auch bei kleineren, abgegrenzten Geschwulstprozessen der Haut kann Hitze mit vorzüglichem Erfolg eingesetzt werden. In weniger empfindsamen Zeiten nahmen die Ärzte früher dazu das Glüheisen, heute macht man das mit dem Hochfrequenzkauter in örtlicher Betäubung. Die Resultate sind sicher und kosmetisch zufriedenstellend.

Daß der Krebs, wie oben erwähnt, außerdem eine "trockene" Krankheit ist, äußert sich in vielen Fällen durch Austrocknung des Organismus und oft unstillbaren Durst. Fortgeschrittene Stadien sind nicht selten durch Flüssigkeitsansammlungen im Brust- oder Bauchraum kompliziert. Auch dagegen können Mistelpräparate zur großen Erleichterung der Patienten eingesetzt werden.

All diesen pathologischen Symptomen setzt die Mistel genau antagonistische Qualitäten ihres Wesens entgegen. Ihre Stärke liegt exakt in den Bereichen, die beim Krebskranken primär gestört sind. Das gilt ebenso für die der Tumorbildung zugrundeliegende morphologische Fehlinformation, der wir die wunderbare Ordnung der Lebensweise und Gestaltungskraft der Mistel gegenüberstellen können. Und eine ganz wesentliche, bei keinem Malignomträger fehlende Kokarzinogenese kommt den Erdstrahlen zu, deren depolarisierende Schadenswirkung wir durch die neueren Untersuchungen von HARTMANN, HUEBNER, König und Betz, Schneider, Schweitzer und anderen ernstzunehmenden Forschern auf dem Gebiet der Radiästhesie immer genauer zu erkennen beginnen. Auch hiergegen entwickelt die Mistel protektive und offenbar übertragbare Kräfte.

Genauso, wie wir manche Lebensmittel erst nach ihrer Zubereitung und Aufschließung resorbieren und assimilieren können, und wie wir die homöopathische Arzneimittelwirkung erst durch den Potenzierungsvorgang zum therapeutischen Leben erwecken, so bedarf auch die Mistel einer teilweise noch von STEINER angegebenen Erschließung. Solange man diesen Verarbeitungsprozeß nicht kannte, mußte auch die krebstherapeutische Kraft dieser Heilpflanze verborgen bleiben. Es findet sich kein einziger diesbezüglicher Hinweis unter den vielfältigen Empfehlungen der Mistel in den zahlreichen Kräuterbüchern des Mittelalters und der Neuzeit. Sie als Tinktur, Tee oder Pulver einzunehmen, bleibt ohne jede Wirkung auf Geschwulsterkrankungen.

 
Die Herstellerfirmen beziehen ihre Misteln hauptsächlich aus Frankreich, wo sie wegen ihres häufigeren Vorkommens als in Deutschland keine geschützten Pflanzen sind. Die Präparate werden unterschieden nach dem Wirtsbaum der zur Verarbeitung kommenden Mistel und kommen als Sortiment in abgestuften Verdünnungsgraden in den Handel. Sie sind steril in Ampullen abgefüllt. Die Injektion erfolgt nahezu schmerzlos mit kurzen und dünnen sogenannten Insulinkanülen. Nur Hirntumore machen - mindestens bei Behandlungsbeginn - die Einnahme in Tropfenform erforderlich, um reaktive Tumoranschwellungen und dadurch verursachten Hirndruck zu vermeiden. Über die bereits angedeutete intravenöse Gabe zur Fiebererzeugung ist noch zu berichten. Die Hersteller geben an die Behandler Therapieanweisungen ab, von deren exakter Befolgung der erzielbare Heilerfolg weitgehend abhängt. Die Herstellungsverfahren unterscheiden sich in einigen, nicht durchweg in Erfahrung zu bringenden Einzelheiten, insbesondere was die Einhaltung der Sterilität betrifft, denn stärkere Erhitzung oder Zugabe chemischer Stabilisatoren wäre mit der hochempfindlichen biologischen Qualität der Mistelpräparate selbstverständlich unvereinbar.

Bei allen diesen Präparaten bestehen Unterschiede hinsichtlich der Wirtsbäume, von denen die verwendeten Misteln stammen. Für weibliche Patienten kommen im allgemeinen die Verarbeitungen der Apfelbaummistel, für männliche die Eichenmistel zur Anwendung. Bestimmte Geschwulstarten können auch Präparate anderweitiger Herkunft erforderlich machen, etwa die Mistel der Tanne, der Kiefer, der Pappel, der Birke, der Ulme usw. Zur Unterstützung der organspezifischen Wirkung wird das Präparat Iscador je nach Bedarf in Kombination mit homöopathisch zubereiteten Metallen eingesetzt, z.B. mit Silber für das Urogenitalsystem und die Brustdrüse, mit Quecksilber für den Darm und das Lymphsystem, mit Kupfer für die Organe Leber, Galle, Magen und Milz. Geschlecht des Kranken und Lokalisation seines Tumors sind für die Misteltherapie also von weit höherer Bedeutung als die vom feingeweblichen Befund hergeleitete schulmedizinische Diagnose. In gleicher Weise behandelt man auch die sogenannten Präkanzerosen, d.h. Krankheiten oder Organveränderungen, die dazu neigen, unbehandelt später bösartig zu werden und in einen echten Krebs überzugehen. Die Misteltherapie macht auch keinen prinzipiellen Unterschied zwischen Karzinom und Sarkom. Beides sind chaotische Entgleisungen des Zellwachstums, die der Wiederherstellung ordnender Kräfte in allen Wesenheiten des Menschen bedürfen. Die rein technische Entfernung oder Vernichtung einer solchen Geschwulst kann immer nur ein Teil und nicht einmal der wichtigste Teil der Therapie sein.

Wie jeder echte Heilungsvorgang erfordert die umstimmende und keinesfalls nur gegen den Tumor gerichtete Wirkung der Mistel Zeit und Geduld. Ungestüm kann bei dieser wie jeder anderen sich an das gestörte Stoffwechselgleichgewicht wendende Behandlungsmethode mehr schaden als nützen. Entscheidend für die optimale Wirkung dieser Präparate ist deshalb ihre zunächst einschleichende, dann erst vorsichtig gesteigerte, sich immer im untersten Bereich der örtlichen und allgemeinen Reaktion haltenden Dosierung. Leitwerte sind dabei nicht nur die klinischen Parameter. Blutbild. Senkungswert usw. sondern auch die rektal gemessenen Abendtemperaturen. Sie sollten-, besonders wenn sie vorher gegenüber den Morgentemperaturen nur unwesentliche Anstiege gezeigt haben, allmählich in stärkere und regelmäßigere Bewegung kommen, was dann eben auch den rhythmisierenden, harmonisierenden Effekt der Misteltherapie signalisiert. Kommt der Patient allmählich in diese besser werdende Reaktionslage, wozu natürlich auch andere Heilfaktoren beitragen, unter denen ich hier die unbedingte und kompromisslose Herdsanierung, die Umstellung auf laktovegetabile, evtl. sogar streng vegetabile Ernährung und die nicht minder wichtige Herausnahme des Patienten aus dem bis dahin schädigenden geopathischen und elektromagnetischen Schlaf- und Standortbereich nenne. Erst in diesem Stadium also ist es angebracht, die bereits erwähnten intravenösen Gaben der Mistelpräparate stärkerer Konzentration in bestimmten Abständen zu verabreichen, um in rhythmischer Folge ein gesteuertes therapeutisches Fieber zu erzeugen. Dieses kann dann sogar mit einem, unter häuslichen Bedingungen durchaus praktikablen, überwachten Überwärmungsbad in der Badewanne kombiniert und dadurch in seiner Wirkung gesteigert werden. All dies sollte aber nicht auf eigene Faust, sondern unter der Leitung eines sachkundigen Arztes erfolgen.

Unter den im Rahmen individueller Ganzheitstherapie erzielbaren Wirkungen der Mistel bei Geschwulsterkrankungen ist hervorzuheben:

  • Besserung des Allgemeinbefindens, der Erschöpfung und der in vielen Fällen bestehenden Depression.
  • Besserung des Schlafes. 
  • Zunahme des Appetits und des Körpergewichtes.
  • Rückgang evtl. vorhandener Schmerzen und damit möglich werdende Einsparung von Schmerz- und Beruhigungsmitteln. 
  • Verlangsamung oder Stillstand des Tumorwachstums.
  • Normalisierung des Blutbildes, der übrigen Laborparameter und der klinischen Befunde.

Im Zusammenwirken mit anderweitigen Behandlungsmethoden einsetzende Tumorrückbildung, Austrocknung von Rippenfellergüssen, Stabilisierung und Vertiefung der klinisch erreichten bzw. erreichbaren Erfolge. Reduzierung der Metastasierungs- und Rezidivierungsgefahr.

Milderung des Krankheitsverlaufes bei unheilbar gewordenen Krankheitsfällen, Überleitung in ein menschlich tolerables Endstadium mit oft auf Tage oder Stunden reduzierter, medikamentenfreier „Euthanasie" des Sterbens.

Die mit Mistelpräparaten erzielbare Wirkung ist demnach immer eine den ganzen Menschen erfassende, eine "personotrope" Wirkung. Zwar haben die Forschungen von Frederic VESTER u.a. auch tumortoxische Bestandteile der Mistel mit zytolytischem und zytostatischem Effekt ergeben, der wesentliche und umfassende Heilerfolg ist damit allein nicht zu erklären. Wer immer nur die lokale Wirkung ins Treffen führt, ist von der ganzheitlichen Auffassung des Krebsgeschehens meilenweit entfernt und immer noch der obsoleten Meinung, daß der Tumor die Krankheit sei und sich die ärztliche Aufgabe nur auf die Beseitigung des Tumors zu beschränken brauche. In Anbetracht des immunstimulierenden, sowohl ganzheitlichen als auch zellreparativen Vorganges jeder echten Krebstherapie müssen wir von dieser Monomanie endlich abrücken. Sie hat uns ein Jahrhundert lang in die Irre geführt.

 


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