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Ständige Beilage der Zeitschrift „Erfahrungsheilkunde“

Schriftleiter: Dr. med. Herbert Werning, Feldmannstr. 152, 6600 Saarbrücken Kerl F. Haug Verlag OmbH & Co., Postfach 102840, 6900 Heidelberg

Ist unsere Krebsbekämpfung unterentwickelt?

Von K. WINDSTOSSER

In den vielen Informationen über Krebs, die der Öffentlichkeit durch die Massenmedien aus teils berufener, teils unberufener Quelle laufend zuteil werden, steht mit Recht die Bedeutung der Früherkennung und rechtzeitigen Operation an erster Stelle. Daß auch die Forschung der Förderung bedarf und sich hierfür immer neue Organisationen um Spenden werbend einsetzen, wird von niemandem bestritten. Befremdend ist hierbei lediglich der Umstand, daß die Mittel aus öffentlicher Hand so spärlich fließen und unsere großen Forschungszentren weitgehend von privaten Spenden abhängig sind. In den USA werden manchen Instituten seitens der Reglerung höhere Beträge bewilligt, als sie in der BRD für die gesamte Krebsforschung zur Verfügung stehen.

Ein äußerst wichtiger Umstand bleibt jedoch bei all diesem Riesenaufwand an aufklärenden, wissenschaftlichen und therapeutischen Bemühungen unberücksichtigt, der für den nachklinischen Verlauf des Leidens und für das Schicksal des Kranken entscheidend ist: das körpereigene Abwehr- und Heilvermögen. Mit Hilfe enzymähnlicher Stoffe, die z. T. von den weißen Blutkörperchen gebildet werden, kann der Organismus entstehende oder vorhandene Krebszellen angreifen und vernichten. Außerdem führen wir uns mit einer hochwertigen, natürlichen, genußgiftfreien Ernährung alle Substanzen zu, die dem Aufbau und der Erneuerung der Zellen dienen, der Entstehung eines Nährbodens für eine bösartige Zellwucherung vorbeugen und eine genetische, d. h. im Zellkern lokalisierte Fehlsteuerung durch immerwährende „Zufuhr lebendiger Substanz" weitgehend verhindern. Wir können eine solche Kost geradezu als "permanente Frischzelltherapie" bezeichnen. Abgesehen von mehreren einschlägigen Büchern bekannter Autoren können die Reformhäuser bei der Bayerischen Krebsgesellschaft, Tumblingerstr. 4, 8000 München 2, für ihre Kunden folgende, von Prof. RIES und Dr. ANEMÜLLER verfaßte Broschüre anfordern: "Anleitung zu einer stoffwechselaktiven Kost".

Im Zustand der Vollgesundheit vollziehen sich diese Regulations- und Regenerationsvorgänge fortwährend, denn es entstehen und zerfallen bei jedem Menschen, auch im jüngeren Alter, laufend potentielle Krebszellen. Erst bei einem allgemeinen oder örtlichen Versagen dieser natürlichen Ordnung können sich solche degenerierende Zellen zu Kolonien und schließlich zur Geschwulst entwickeln. Mit anderen Worten: ein körperlich und seelisch ausgeglichener, in sich ruhender Mensch kann nicht an Krebs erkranken. Kommt es zu einem Geschwulstleiden, so hat sich dieses immer schon jahre- oder jahrzehntelang als unsichtbarer und unfühlbarer "Vorkrebs" entwickelt. Erst auf dem geschwulstreifen Nährboden kann der Tumor wachsen. Ändert, verbessert man diesen, so entzieht man dem Tumor -seine lebenswichtige Voraussetzung. Früherkennung und Frühoperation sind ein unbedingtes Erfordernis. Aber sie vermögen nicht den Nährboden des Geschwulstleidens, den eigentlichen, unfühlbaren und deshalb so unheimlichen und gefährlichen Feind, zu beseitigen. Durch die noch so rechtzeitige und radikale Entfernung der Geschwulst durch Operation oder ihre Vernichtung durch Bestrahlung kann die im Gesamtorganismus entstandene und verbleibende Abwehrschwäche und Krebsdisposition nicht behoben werden. Hierin liegt der Hauptgrund für die trotz aller Forschungen und Fortschritte auf dem Gebiet des Krebsproblems noch immer so deprimierend schlechten Heilerfolge.

Diese Gedankengänge und die daraus zu ziehenden therapeutischen Konsequenzen wurden bisher vorwiegend von den Außenseitern der Medizin vertreten. Während der letzten Jahre mehrten sich jedoch auch im Bereich der orthodoxen Klinik und der internationalen wissenschaftlichen Forschung die Argumente, daß immunologische Vorgänge und generelle Abwehrmechanismen sowohl zur Vorbeugung bösartiger Leiden als auch zum Stillstand und zur Heilung derselben in weit höherem Maß beizutragen vermögen, als man bisher geglaubt hat. Deshalb wird von einer wachsenden Zahl der Ärzte immer nachdrücklicher gefordert, daß die chirurgischen und radiologischen Maßnahmen durch eine langzeitliche kurative Nachbehandlung und programmierte hausärztliche Betreuung zu ergänzen seien. Dies mit dem von der Außenseitermedizin seit Jahrzehnten verfolgten Ziel, den Gesamtzustand des Krebsgefährdeten optimal zu verbessern und damit seine Resistenz gegen den Rückfall oder die Ausbreitung des Geschwulstleidens zu steigern.

Das dazu erforderliche Vorgehen setzt ein hohes Maß an Verständnis, Sorgfalt und Ausdauer seitens des Arztes wie des Patienten voraus. Die aktive Mitarbeit des letzteren (und seiner Angehörigen) ist hierbei von größter Wichtigkeit, während er sich im Gegensatz dazu am Zustandekommen und Verlauf der klinischen Eingriffe nur passiv beteiligen kann. jetzt muß er von manchen liebgewonnenen Lebensgewohnheiten Abschied nehmen und opfervolle Wege gehen. Belastende Herde, besonders der Zähne, sind kompromißlos zu beseitigen. Die geschädigte Sauerstoffversorgung der Zellen, auf die schon vor 40 Jahren der Nobelpreisträger WARBURG als eine der wesentlichsten Krebsursachen hingewiesen hat, muß verbessert werden, wobei eine Reihe medikamentöser Verfahren und nicht zuletzt eine den neuesten Erkenntnissen entsprechende, rohkost- und obstreiche Vollwertnahrung mit ihrem Gehalt an zellatmungsaktivierenden, hitzeempfindlichen Enzymen erforderlich ist. Genußgifte und krebsbegünstigende Bestandteile der bürgerlichen Küche, insbesondere Zucker und Weißmehlprodukte im Überhang, sind sofort abzusetzen. Das Angriffsvermögen des Organismus auf die evtl. noch vorhandenen Geschwulstzellen kann durch verschiedene Maßnahmen gesteigert und ergänzt werden, z. B. durch die Erzeugung von gesteuertem Fieber, das wir als die stärkste und wirksamste Abwehrreaktion des Körpers auch gegen andere Krankheiten kennen und als solche unter keinen Umständen unterdrücken dürfen, ferner durch den Einsatz tumorzerstörender Enzympräparate, die u. a. aus keimenden Hülsenfrüchten gewonnen werden. Eine im Kampf gegen den Krebs überaus wertvolle Heilpflanze ist die Mistel, deren homöopathischer Zubereitung die geheimnisvolle Kraft innewohnt, bösartig wucherndes Wachstum in harmonisch geordnete Bahnen zu lenken und die fehlgesteuerte Formgebung der Zelle in normale Gestaltbildung zu wandeln. Diese Erkenntnis verdanken wir Rudolf STEINER, dem Schöpfer der anthroposophischen Naturbetrachtung und Heilweise.

Die meisten Krebskranken und Krebsgefährdeten wissen von diesen Möglichkeiten so gut wie nichts, da sie leider weder von ihren Ärzten noch in den Kliniken eine diesbezügliche Information erhalten. Aufklärung über die Art des vorliegenden Leidens in psychologisch richtiger Form ist im Interesse des Verständnisses und der aktiven Mitarbeit des Patienten auf diesem Heilweg allerdings unerläßlich. Sie wird aus dem Mund jenes Arztes, der um die vielen Möglichkeiten echter umfassender Hilfe weiß, ermutigender und überzeugterklingen, als seitens eines Vertreters der Hochschulmedizin, der ausschließlich nur an den Erfolg der örtlichen Krebsbekämpfung mit Stahl, Strahl und Chemotherapie glaubt.

Prof. SEWERING, Präsident der Bundes-Arztekammer, stellte in Nr. 27 des Deutschen Ärzteblattes kürzlich fest, daß die Nachbehandlung der aus der Klinik entlassenen Krebspatienten von der allgemein üblichen pessimistischen Einstellung diesen Leiden gegenüber negativ beeinflußt und daher verbesserungsbedürftig sei. Eine kleingläubige, zaghafte Haltung mindert bekanntlich den Erfolg jeder Behandlung. Der mit den besseren Waffen gerüstete Therapeut wird auch mehr Zuversicht auf seine Patienten übertragen können. Die von verschiedenen Seiten jetzt vorgeschlagene bzw. angestrebte "interdisziplinäre Krebsbehandlung" sollte deshalb unbedingt auch die bewährten ganzheitsmedizinischen Möglichkeiten und Methoden beinhalten. Die wissenschaftliche Erforschung, Verbesserung und Verbreitung derselben hat sich die Deutsche Gesellschaft für Medizinische Tumortherapie zur Aufgabe gemacht. Der von ihr alljährlich in Baden-Baden veranstaltete Krebskongreß stand 1975 unter dem Protektorat von Frau Dr. Mildred SCHEEL, Begründerin der Aktion DEUTSCHE KREBSHILFE. Es fanden sich bei dieser Gelegenheit wieder zahlreiche Ärztinnen und Ärzte aus aller Welt zu Vorträgen und Diskussionen ein, die einer zunehmenden Verständigung zwischen der lehrmedizinischen und ganzheitsmedizinischen Richtung dienlich waren.

Es wäre zu wünschen, daß sich damit endlich eine die konventionelle Krebsbehandlung ergänzende, allgemein anerkannte Heilrichtung anbahnt, die schon jetzt und seit Jahrzehnten von zahlreichen Ärzten in mehr oder weniger umfangreicher Weise praktiziert wird und wurde. Die Zahl der Dauerheilungen ließe sich durch ein solches umfassendes Behandlungsprogramm erfahrungsgemäß bedeutend verbessern.

Von den gegenwärtig schätzungsweise 720 000 Krebskranken der Bundesrepublik dürfen höchstens 250 000 mit erfolgreicher Behandlung durch Stahl und Strahl in der bisher üblichen Weise rechnen. Es wird späteren Generationen unbegreiflich erscheinen, daß man während eines Jahrhunderts der gigantischen Entwicklung auf medizinischem Gebiet den natürlichen Heilkräften und ihrer Unterstützung so wenig Beachtung schenkte, sie speziell bei dem bedrohlichsten und therapieresistentesten aller Leiden, dem Krebs, nahezu gänzlich ignorierte und die in dieser Richtung behandelnden Arzte diffamierte.

(Anschrift des Verfassers: Dr. med. K. Windstosser, Werner-Zabel-Institut, 4902 Bad Salzuflen)

 


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