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Verlängerung der Überlebenszeit von CML-Patienten mit Interferon-Alpha

Neue Studienergebnisse zeigen deutliche Verlängerung der Überlebenszeit bei Gabe von 9 Mio I.E. Interferon alfa-2a täglich.

Die neuen Erkenntnisse der italienischen Studiengruppe um Tura und Baccarani bestätigen frühere Vermutungen zur Verlängerung der Überlebenszeit durch hochdosiertes Interferon alpha bei Patienten mit chronisch-rnyeloischer Leukämie. Erstmalig konnte neben den hohen hämatologischen und zytogenetischen Remissionsraten die signifikante Verbesserung des Überlebens durch die Interferontherapie auch in einer randomisierten Studie nachgewiesen werden. Die am 24. März dieses Jahres im New England Journal of Medicine (Baccarani, M. et. al.: Interferon alfa as compared with conventional chemotherapy for the treatment of chronic myeloid leukemia. N. Engl. j. Med. 24 (1994) 330.) erschienene dreiarmige randomisierte Studie zeigt einen deutlichen Überlebensvorteil bei Behandlung mit 9 Mio I. E. Interferon alfa-2a täglich gegenüber den zwei Chemotherapieschemata mit Hydroxyurea bzw. Busulfan.

Die chronisch-myeloische Leukämie (CML) ist eine myeloproliferative Erkrankung des blutbildenden Systems mit einer jährlichen Inzidenz von 1/100.000 in der Bevölkerung und einem Anteil von ca. 25% an allen Lenkämie-Fällen. Sie ist gekennzeichnet durch die pathologisch gesteigerte Proliferation eines malignen Klons myeloischer Zellen im Knochenmark. Charakteristisch für die CML ist das Auftreten des sog. "Philadelphia-Chromosoms" bei ca. 90% der Patienten. Zugrunde liegt dem Philadelphia-Chromosom eine Translokation zwischen den Chromosomen 9 und 22. Unklar ist, ob das im Karyotyp charakteristisch erkennbare Translokationsprodukt das initiale onkogene Ereignis der CML ist. Charakteristisch für die chronische Phase der CML ist die Erhöhung der peripheren Granulozyten-Zellzahl um das 10-100fache sowie das Auftreten zahlreicher unreifer Vorläuferzellen mit verminderter Funktion. Unbehandelt führt die CML von der chronischen Phase unausweichlich über die akzelerierte Phase zur Blastenkrise und somit innerhalb von ca. 3 - 4 Jahren zum Tod.

In der neu veröffentlichten Studie waren 322 Patienten randomisiert in zwei Therapiearme eingebracht worden, die eine Gruppe war mit 9 Mio. I. E. Interferon alfa-2a (Roferon®-A (Roferon®-A wird hergestellt von Hoffmann-La Roche AG, Grenzach-Wyhlen.)) täglich behandelt worden, in der Gruppe 2 wurde die konventionelle Chemotherapie gegeben (90% erhielten Hydroxyurea, 10% Busulfan). Die mittlere Überlebenszeit in der Interferonalpha-Gruppe betrug 72 Monate gegenüber einem medianen Überleben von 52 Monaten in der Chemotherapiegruppe. Zytogenetische Remissionen, die eine Voraussetzung und ein Anzeichen für einen anhaltenden Therapieerfolg sind, konnten bei 30% der Interferon alfa-2a-Patienten erzielt werden; bei den Patienten der Chemotherapiegruppe hingegen trat die Elimination des Philadelphia-Chromosoms (= zytogenetische Remission) nur in 5 % der Fälle ein. Die italienische Studiengruppe plant -neben der weiteren Nachbeobachtung der Patienten - zu diesen ermutigenden Ergebnissen weitere Untersuchungen, beispielsweise den Einsatz einer Kombination aus Interferon alfa-2a und dem Chemotherapeutikum ARA-C, um zytogenetische Remissionen in einem noch größeren Patientenanteil zu erzielen.

Die neue Studie der "ltalian Cooperative Study Group on CML" liefert erstmals einen überzeugenden Nachweis auch dafür, daß die CML-Therapie mit Interferon alpha neben den hohen zytogenetischen Remissionsraten auch eine längere Überlebenszeit gegenüber der Behandlung mit den konventionellen Chemotherapien erzielt. Die allogene Knochenmarktransplantation gilt nach wie vor als einzige kurative Therapie der CML, doch stehen den Chancen dieser Therapie eine hohe Komplikationsrate sowie die schwierige, oft erfolglose Suche nach einem kompatiblen Spender gegenüber. Es scheint zwar noch früh, vor einem kurativen Ansatz der Interferon-alpha-Therapie zu sprechen, doch in der italienischen Studie waren nach 6 Jahren noch 85% der Patienten, bei denen eine zytogenetische Remission beobachtet wurde, am Leben.

 


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