- mit einer Kombination von Polyerga, einem Mistelpräparat und BVK-Roche,
- mit Zytostatika,
- mit Placebo oder anderweitigen Alternativmethoden behandelt.
Nach 7 Jahren ergab sich bei den Patienten der Gruppe a mit 12,5 Monaten eine Verdoppelung der Überlebenszeit gegenüber den Probanden der Gruppen b und c in ihrer Gesamtheit.
Dold, als Leiter des Zentralkrankenhauses in Gauting einer der Teilnehmer an der Studie, äußerte sich dazu: "Wir haben im Eifer, den Krebs auf jede nur mögliche Weise totzuschlagen, übersehen, daß die Patienten oft mehr unter der Therapie als unter ihrem Krebs leiden."
(Medical Tribune 48/1986).
Der Berliner Röntgenologe Schlitter (31) schrieb 1986 in einer chemotherapiebezüglichen Arbeit: "Weil alle Krebskrankheiten auf einer präkanzerösen chronischen Immunsuffizienz und vegetativen Regulationsstarre beruhen, können immunsuppressiv wirkende Pharmaka im Prinzip keine Krebsheilmittel sein. Die damit gesetzten Reize können die den Geschwulstkrankheiten zugrundeliegenden Fehlfunktionen nicht ausgleichen, sondern nur verstärken. Die damit verbundenen Therapieschäden sind unvermeidlich und irreparabel. Jahrelange Erfahrungen mit Chemotherapie beweisen diesen zwangsläufigen Sachverhalt."
Ebenso eindeutig negativ lautet das Resume einer an Hand von hunderten von klinischen Studien und Statistiken erarbeiteten Synopse von Ulrich Abel (2,3), Biometriker am Institut für Epidemiologie und Biometrie des Krebsforschungszentrums in Heidelberg, in Kooperation mit dem Tumorzentrum Heidelberg-Mannheim. Die 1989 erschienene vorläufige Mitteilung trug den Titel "Verlängert die zytostatische Chemotherapie das Überleben von Patienten mit fortgeschrittenen epithelialen Tumoren?". Zu diesen zählen fast alle Malignome der Lokalisationen Luftröhre, Bronchien, Ösophagus, Magen, Darm, Leber, Pankreas, Gallenblase, Harnblase,
Ovar, Uterus, Prostata, Brustdrüse sowie die meisten Tumore des Kopf- und Halsbereiches. Es sind dies die Geschwulstarten, auf die rund 80% der Krebstodesfälle in den westlichen Industrieländern zurückzuführen sind. Abel nennt seine Arbeit "eine kritische Bestandsaufnahme". Sie enthält nach seinen eigenen Worten "eine
umfassende Analyse der Publikationen, der laufenden Studien sowie persönlicher, als Antworten auf Rundschreiben eingegangener Äußerungen klinischer Onkologen".
Ihrer Wichtigkeit wegen seien dem Vorwort und der Zusammenfassung dieser ersten Publikation folgende Passagen entnommen:
"Es gibt, abgesehen vom Bronchialkarzinom (vor allem dem kleinzelligen), keine direkte Evidenz dafür, daß Chemotherapie ... das Überleben verlängert. Die verfügbare indirekte Evidenz spricht (mit Ausnahme des
Ovarialkarzinoms) insgesamt eher gegen eine solche Wirkung. Diese Bilanz steht im Widerspruch zu den publizierten Einschätzungen der Chemotherapie, die nicht selten ein überoptimistisches Bild von den Wirkungen der Therapie zeichnen."
"In der überwältigenden Mehrzahl der Publikationen wird die Wirkung der Chemotherapie mit Response gleichgesetzt, ohne Ansehen der Wirkung auf die Überlebenszeit. Viele Onkologen halten es für selbstverständlich, daß Response auf Therapie das Leben verlängert, eine Auffassung, die auf einem Fehlschluß beruht und durch kontrollierte Studien nicht gestützt wird."
"Bis heute ist unklar, ob die behandelten Patienten in ihrer Gesamtheit hinsichtlich der Lebensqualität von der Chemotherapie profitieren. ... Wenn eine nebenwirkungsreiche Krebsbehandlung die Überlebenszeit nicht verlängert, so haben die Therapeuten sogar die Bringschuld, nachzuweisen, daß sie die Lebensqualität verbessert."
"Die gemeinhin verbreiteten Erfolgsmeldungen sind, was die epithelialen Krebse betrifft, zumindest irreführend."
"Nachdenklich muß stimmen, wenn Umfragen ergeben, daß viele Onkologen bei sich selbst eine zytostatische Therapie nicht vornehmen lassen würden."
Die Abelsche Arbeit stellt ferner fest, "daß der Glaube an die Wirksamkeit der Chemotherapie dogmatisch festgeschrieben wird, indem nämlich Vorschläge für ganze Klassen innovativer Studienkonzepte von vornherein chancenlos sind, weil man glaubt, den Patienten die vermeintlich effektivere Therapie nicht vorenthalten zu können“.
"So niederschmetternd das Ergebnis dieser Arbeit auch sein mag: Es ist das eindeutige Resultat des Unterfangens, das relevante Schrifttum möglichst vorurteilsfrei und umfassend auszuwerten."
"Einstweilen erscheint in dieser von Erfolglosigkeit geprägten Situation die derzeitige starke Konzentration der Studienkapazitäten auf die Chemotherapie schwerlich gerechtfertigt. ... Ein Umdenken in Krebstherapie und Krebsforschung erscheint nicht nur aus wissenschaftlichen Gründen, sondern vor allem im Interesse der Patienten dringend erforderlich."
Es konnte nicht ausbleiben, daß diese "ketzerische" Studie des "Nicht-Klinikers" Abel bei seinen orthodoxen Kollegen Anstoß erregte. Hossfeld und Pfleiderer [17] nahmen als Vertreter der Arbeitsgemeinschaften Internistischer Onkologen und Gynäkologischer Onkologen der Deutschen Krebsgesellschaft kritisch dazu Stellung, ohne die vorgebrachten Argumente jedoch restlos widerlegen zu können. Insbesondere wird einmal mehr jede Effizienz alternativer Behandlung bestritten, auf die Abel mehrfach hinweist. Die Kritiker geben jedoch zu, daß man sich von neueren Therapieformen, immunkompetenter Biological Response Modifier u. a. Fortschritte erwartet, mit anderen Worten, daß die Chemotherapie in ihrer heutigen Form eben doch nicht befriedigt.
Die wissenschaftlich uneinheitliche Beurteilung der Zytostatika und das Problem Lebensqualität - Lebensverlängerung machen jeden Einsatz dieser Präparate zu einem Wagnis. In dieser Weise werden aber - wie schon von Abel erwähnt - weiterhin in vielen Kliniken durch die Pharmaindustrie geförderte langzeitige Behandlungsserien durchgeführt und diese sogar dann noch fortgesetzt, wenn die chemotherapeutisch behandelten Patientenkollektive gegenüber den zytostatikafreien Patientenkollektiven ungünstiger abzuschneiden beginnen. Aber wie schnell ist die Lehrmedizin mit dem Vorwurf des "gewissenlosen Experimentierens" dann auf dem Plan, wenn es um den Einsatz längst bewährter, nichttoxischer und risikofreier Alternativmethoden geht!
Zur ethischen Berechtigung klinisch-therapeutischer Studien bei chronischen Erkrankungen hat sich Füllgraff, vormals Präsident des Bundesgesundheitsamtes, gelegentlich einer Diskussion wie folgt geäußert (zitiert bei Kaufmann [22]): "Selbst der kleinste Wirksamkeitsunterschied kann schließlich statistisch signifikant gemacht werden mit genügend Ausdauer, genügend Geld und riesigen Patientenkollektiven. Doch was bedeutet das? Es resultiert daraus die unkontrollierte Verschreibung eines Mittels an Scharen von Patienten, von denen bestenfalls wenige profitieren, alle aber dem Risiko unerwünschter Nebenwirkungen ausgesetzt werden." Diese Bemerkung bezieht sich zwar auf Studien präventiver Art, läßt sich aber explicite auf die onkologische Therapie anwenden. Denn beim Einsatz von Zytostatika sind unerwünschte Nebenwirkungen nicht nur ein "Risiko", sondern die konzeptbedingten, einkalkulierten und unvermeidlichen Folgen dieser Behandlungsmethode.
Auf dem 15. Internationalen Krebskongreß 1990 in Hamburg bezogen sich viele der über 200 Referate auf die Problematik der Chemotherapie. Aufrüttelnder und revolutionärer Höhepunkt war auch bei dieser Gelegenheit der Vortrag von Abel. Im übrigen gab es keine grundsätzlich neuen Erkenntnisse oder Erfahrungen. Teilweise verhandelte man über Fortentwicklungen bisher bekannter Präparate mit veränderter Halbwertzeit oder verringerter Toxizität, z.B. bei lfosfamid
(Holoxan), teilweise über die allenfalls für den krebsbehandelnden Praktiker wichtigen Möglichkeiten subkutaner und ambulanter Anwendung, auch als Langzeitinfusion. Die Zahl der bekannten Zytostatika wurde um einige Namen vermehrt, etwa durch das vorzugsweise in Italien erprobte Indazol-Derivat
Lonidamin. Hinsichtlich der Kombinationen hörte man von Bemühungen um verbesserte Anpassung an die Chronobiologie und den Mitosezyklus der Tumorzelle im Sinne des schon lange bekannten „Timings", wozu neuerdings sogar Supercomputer Verwendung finden. Aus dem Rahmen der Aggressivtherapie fielen Behandlungsversuche in Richtung Immunologie, Hyperthermie, Thermo-Chemotherapie und Thermo-Strahlentherapie. Ebenfalls noch in der Entwicklung befinden sich Verfahren der Implantation von immunologisch aktivierten Zellen oder Proteinen, insbesondere von genetisch potenzierten körpereigenen Stammzellen oder Lymphozyten, auch dies zum Teil in der Absicht, die Möglichkeiten der Chemotherapie zu erweitern, ihre Risiken zu verringern, ihre Nebenwirkungen zu mildern oder sie eines Tages ganz entbehrlich zu machen.
Das Fazit seiner Recherchen faßte Abel wiederum als "niederschmetternd" zusammen, und es wurde ihm von den Kongreßteilnehmern diesmal nicht widersprochen. Selbst
Hossfeld, der den ersten Aussagen von Abel noch ablehnend gegenübergestanden war, räumte jetzt ein, daß Chemotherapeutika nicht nur zu oft, sondern auch falsch und ohne die erforderliche Sachkunde angewandt worden seien. Mehrere weitere Experten wie Maass (Hamburg), Kornhuber (Frankfurt) und Nagel (Göttingen) verwiesen auf die sich allmählich vollziehende Umorientierung, nach der die Lebensqualität eines Patienten Vorrang vor der Lebensverlängerung habe. Pfleiderer (Freiburg) gestand ein: "Die Problematik der Chemotherapie ist die, daß wir keine andere Therapie haben." Schmähl (Heidelberg) gab den Feststellungen von Abel recht mit den Worten: "Bei 80% der bösartigen Tumore ist die Chemotherapie nutzlos." (Mitteilungen der "Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr"
(GfBK) 28/1990). Hossfeld faßte den chemotherapierelevanten Teil des Kongresses folgendermaßen zusammen: "In den letzten 20 Jahren habe ich nicht nur den Segen, sondern auch mehr und mehr die Grenzen dieser Behandlungsart erfahren. Im nachhinein muß man feststellen, daß die Möglichkeiten der Chemotherapie überschätzt worden sind. Die Einsicht in die Grenzen dieser Therapie sind noch immer nicht so verbreitet, wie es sein müßte. Das Konzept unserer klinischen Studien war jahrelang falsch. Der Effekt der Therapie steht in keinem Verhältnis zu den Nebenwirkungen, die wir den Patienten zufügen. Das Leid der so behandelten Menschen ist unzureichend bedacht worden." (Der Spiegel 35/1990 "Viel Forschung, wenig Fortschritt")
Auf die Herausgabe der Abelschen Studie in ihrer endgültigen Fassung und Vollständigkeit 1990 im Hippokrates-Verlag [3] sei besonders hingewiesen.
In Anbetracht einer immer offenbarer werdenden Stagnation und Insuffizienz aller krebstherapeutischen Bemühungen der Schulmedizin - nicht nur im Bereich der Cytostatika - mutete es grotesk an, daß Jungi [20], Medizinische Klinik C im Kantonspital St. Gallen, ausgerechnet während des Hamburger Kongresses summarisch gegen die Alternativmethoden zu Felde zog. Seine Ausführungen bewiesen einmal mehr den Mangel an eigener Erfahrung mit den von ihm verrissenen Methoden und Medikamenten, wenn er beispielsweise die Misteltherapie als eine "Frage der Dosierung" und ihre klinische Wirkung als "nicht bewiesen" bezeichnet. Solchen Kritikern kann nur die ernsthafte Beschäftigung mit dieser Richtung und ihrer reichhaltigen Literatur dringend empfohlen werden, bevor sie mit „fragwürdig", "unwissenschaftlich", "paramedizinisch" und anderen disqualifizierenden Prädikaten um sich werfen.
Dies ist nun auch in unserer Betrachtung der Punkt, um auf das Verhältnis der Chemotherapie zur Ganzheitsmedizin einzugehen. Allerdings muß dabei schon vom Konzept her eine totale Diskrepanz festgestellt werden. Denn es erinnert an einen Hochseilakt, das allein schicksalentscheidende körpereigene Ordnungs- und Repairvermögen mit der systemischen Untergrabung und Vernichtung eben dieser Fähigkeiten durch die Chemotherapie unter einen Hut bringen zu wollen (siehe oben bei
Schlitter). Obwohl es zwischen diesen beiden Richtungen also keine Alternative zu geben scheint, fehlte es nicht an Versuchen, mit Vorsicht das eine zu tun und das andere nicht zu lassen. Den therapeutischen Erfolg entscheidet in diesem Fall nicht nur die Resistenz des Tumors, sondern auch die des Organismus gegen die chemische Keule. In dem Maß, in dem der angerichtete Schaden
überwiegt, wird der Nutzen der Ganzheitstherapie in Frage gestellt. Gegebenenfalls kommt deshalb nur der zeitlich getrennte, alternierende Einsatz beider Behandlungsformen in Betracht, mit angemessener Erholungszeit des Organismus nach den toxischen Durchgängen. Bei gleichzeitiger Anwendung braucht man sich über die Erfolglosigkeit der alternativen Maßnahmen nicht zu wundern.
Erfahrungsgemäß werden mit den supportiven Methoden des psycho-neuro-vegetativen Ausgleiches, der konstitutionellen Umstimmung, der Beseitigung mesenchymaler Blockaden, der optimierten Zellatmung, der (vorwiegend ernährungsbedingten) Wiederherstellung des individuellen Säure-Basen-Verhältnisses, der zytoplasmatischen Substitution, der Symbioselenkung und all den anderen Möglichkeiten psychosomatischer Behandlung, die der Lehrmedizin nicht zur Verfügung stehen, erst die eigentlichen Grundlagen zur körpereigenen Überwindung der Krebskrankheit gelegt.
Aus dieser Fülle von Methoden und Medikamenten ragt seit 1920 als einer der bewährtesten ganzheitlich wirksamen Modulatoren die Mistel in ihrer von Rudolf Steiner angegebenen Zubereitung heraus. Es liegen hierüber unzählige beweiskräftige Einzel- und Kollektiverfahrungen vor, auf die hier nur generell hingewiesen werden kann. Von besonderer Bedeutung ist jedoch eine neuere, multizentrisch und prospektiv angelegte Langzeitstudie von Gutsch und Mitarbeitern [13]. Sie entstand auf Grund der Krankheitsverläufe von 692 Patientinnen mit Mammakarzinom der Klassifikation T1-3 N0-3 M0 postoperativ, eingeteilt in randomisierte Kollektive
- mit Polychemotherapie,
- mit einem Mistelpräparat behandelt,
- unbehandelt verblieben.
Nach fünfjähriger Beobachtungszeit ergab sich im Schnitt eine Überlebensquote von 65% aller Patientinnen, wobei keine Überlegenheit der Chemotherapiewirkung gegenüber dem Effekt der Mistelbehandlung erkennbar war. Daß bei letzterer die subjektiven und objektiven Schäden der Zellgifte entfielen, durfte als besonderer Gewinn gebucht werden. Die Vorteile der Misteltherapie manifestierten sich außerdem eindeutig bei der Langzeitbehandlung der
N0-3 -Gruppe hinsichtlich der Lebenserwartung. Diese schnitt unter den chemotherapiebehandelten Frauen sogar etwas schlechter ab als die Gruppe der ohne jede Therapie verbliebenen.
Solche Resultate sollten den Anhängern der radikalen und einseitig lokalpathologischen Richtung doch zu denken geben, zumal zahlreiche ähnlich instruktive Verläufe des Mammakarzinoms mit überwiegend günstigen Ergebnissen der Misteltherapie seit langem vorliegen, so von
GuenczIer, Hoffmann, Kriele, Leroi, Müller-Färber, Salzer, Wrba u. a. (Literaturangabe beim Verfasser).
Daß sich auch orthodoxe Kliniker der ganzheitsmedizinisch-biologischen Auffassung des Krebsgeschehens in Ergänzung ihrer konventionellen Methoden aufzuschließen beginnen, dafür sei als Vertreter mancher seiner nachdenklich gewordenen Kollegen hier Prof.
Schuppli, Leiter der Medizinischen Klinik in Basel, genannt. Er verabreicht seinen Krebspatienten schon seit Jahren systematisch Mistelpräparate, offenbar überzeugt von deren adjuvant- und komplementär-therapeutischen Wirkung.
Ebenfalls von Bedeutung und für die künftige Forschung wegweisend ist die Verbindung der Chemotherapie mit den systemisch wirksamen immunstimulierenden Therapieformen, soweit sich diese - wie oben erwähnt - nicht gegenseitig paralysieren. Hierbei hat vor allem die (passive) Hyperthermie und die (aktive) Hyperpyrese als Ganzheits- oder auch Lokalanwendung ihren bereits bekannten Stellenwert als adjuvantes Krebstherapeutikum erwiesen. Weltweit bekannt, wenngleich in der westlichen Welt noch vorwiegend ignoriert, wurde die durch Prof. von Ardenne (Dresden) seit 20 Jahren entwickelte und verbesserte Krebs-Mehrschritt-Therapie
(KMT), bestehend aus genereller Hyperthermie, endogen ausgelöster
Hyperpyrese, Hyperazidose und Hyperoxie. In dieses Programm wird von Fall zu Fall niedrigdosierte Chemotherapie eingebaut, die an den labilisierten Krebszellen umso stärker anzugreifen vermag. Die in mehreren Kliniken des Ostblocks damit erzielten Therapieerfolge sind teilweise beachtlich, doch läßt sich der daran beteiligte Anteil der chemotherapeutischen Komponente schwer beurteilen, solange keine größeren Reihen vergleichbarer Studien vorliegen.
Über den rein medizinisch-nationalen und medizinisch-ethischen Aspekt hinaus läßt sich das Chemotherapieproblem noch aus geisteswissenschaftlicher Sicht betrachten. Es offenbart sich dabei in noch vielgestaltigerer und eindringlicherer Weise der nicht nur den Körperleib, sondern auch den metaphysischen Äther- und Astralleib des Menschen belastende Gebrauch solcher Gifte. In der nach anthroposophischen Gesichtspunkten erweiterten Heilkunde ist es nämlich weder für den Kranken noch für den Behandler gleichgültig, wie eine Heilung zustande kommt. Nur die Wiedergewinnung der Harmonie innerhalb der hierarchisch gegliederten dreifachen Wesenheit der Menschen gewährleistet echte Heilung. Wer sich mit Maßnahmen und Wirkungen auf der untersten, physischen Ebene begnügt, wie es die Lehrmedizin allgemein und speziell beim Krebsgeschehen zu tun pflegt, beseitigt Symptome, "heilt“ aber nicht.
Alle bisherigen chemotherapiebezüglichen Ausführungen werden auf geisteswissenschaftlicher Basis bestätigt und logistisch hervorragend ergänzt durch eine Studie von Hoffmann (16), Leiter der anthroposophisch-onkologischen Lukas-Klinik in Arlesheim (Schweiz). Sie enthält Gedanken und Wegweisungen, die sich weit über die dogmatisch erstarrte, rational und linear ausgerichtete Medizin erheben und den Menschen als ganzheitliches, sowohl kosmisch wie irdisch gebundenes Wesen wieder in die Mitte des ärztlichen Aufgabenkreises stellen.
Schlußfolgerung
Unter Berücksichtigung aller vorliegenden Tatsachen, Erfahrungen und Eingeständnisse muß festgestellt werden, daß die Chemotherapie nicht den großen Durchbruch zur Lösung des Krebsproblems gebracht hat. Schuld daran ist, daß sie - wie die beiden anderen onkologischen Disziplinen - zwar auf die krebskranke Zelle, nicht jedoch auf den krebskranken Menschen und seine Notwendigkeiten ausgerichtet ist. Ihre unbestreitbaren Erfolge in der Onkologie des Kindesalters, bedingt und
palliativ, jedoch nicht lebensverlängernd bei einigen anderen Geschwulsterkrankungen, sind erfreulich, wenngleich teuer erkauft. Ihre Toxizität und die dem Kranken dadurch zusätzlich zum Krebsgeschehen erwachsenden Schäden an Leib und Seele geben - trotz aller Bemühungen der Forscher und Firmen - einer Hoffnung auf baldige Besserung dieser Situation wenig Raum. Die mit der Chemotherapie verbundenen Gefahren berechtigen nicht zu der aus der Versuchstierpraxis übernommenen noch häufigeren und intensiveren Anwendung, nur um Erfahrung zu sammeln und vielleicht den einen oder anderen punktuellen Erfolg zu buchen. Am schwersten aber fällt wohl ins Gewicht, daß nach einem halben Jahrhundert weltweiten Aufwandes an Forschung, gefördert mit Milliardenbeträgen, eingestanden werden muß: Chemotherapie nützt nur wenigen, bei der Mehrzahl der Geschwulsterkrankungen ist sie vergeblich und vermag das Leben nicht zu verlängern.
Unter diesen Umständen scheint der Einsatz aller Kräfte für die Erforschung und Anwendung schadstofffreier, systemisch positiv wirksamer Mittel und Methoden aussichtsreicher und nützlicher zu sein als die vorwiegend zum kommerziellen Selbstzweck gewordene Jagd nach noch wirksameren, noch toxischeren Präparaten und noch raffinierteren Kombinationen derselben. Eine laufend verbesserte genreparative und immunmodulierende Therapie sollte zum Segen der Patienten immer häufiger an die Stelle der Chemotherapie treten und diese eines Tages überflüssig machen.
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