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An "Hippokrates" auf Leseranfrage in Nr.17/1960
Rohzucker - Weißer Zucker ?Von Dr. Karl Windstosser Die meines Wissens eingehendsten Untersuchungen über den Rohzucker (Naturzucker) stammen von Gounelle und Paulais und wurden 1942 im staatlichen Auftrag am Institut für klinische und biologische Ernährungsforschung des Contre de Recherches Foch in Paris begonnen. Es handelte sich damals zunächst um die Entscheidung, ob für Pakete an Kriegsgefangene roher Rohrzucker wegen seiner angeblichen gesundheitlichen Vorteile trotz seines höheren Preisen genommen worden sollte. Schon die ersten Untersuchungen ergaben, daß von den 3 Vitaminen B1, B2 und C die beiden ersten überhaupt nicht nachweisbar waren., C in nur so geringer Menge, daß bei normalem Zuckerverzehr noch nicht einmal der tausendste Teil des täglichen Mindestbedarfs eines Erwachsenen zugefährt wird. Die Frage der Rohzuckerverteilung an Kriegsgefangene wurde deshalb damals mit Recht zugunsten gewöhnlichen Raffinadezuckers entschieden. Angesichts der besondere in reformerischen Kreisen vertretenen Vorliebe für braunen Naturzucker setzten die beiden Autoren ihre Forschungen nach dem Krieg unter günstigeren Bedingungen und auf breiterer Basis fort. Sie veröffentlichten ihre Ergebnisse in „La Presse Medicale" Nr.28/1956. Es bestätigte sich wieder, daß Rohzucker an lebenswichtigen Vitaminen nichts oder nur Spuren enthält. Er stellt praktisch Weißzucker dar, dessen Kristallen lediglich eine dünne Schicht Melasse anhaftet. Ein einfacher Versuch des Auswaschens im Teelöffel vermag dies zu beweisen. Ähnlich verhält es sich mit dem Mineralsalzgehalt, der z.T. sogar auf Zusätze während der Fabrikation beruht, im Übrigen aber bei den meisten vegetabilen Nahrungsmitteln quantitativ, qualitativ und hinsichtlich des optimalen Verhältnisses der Mineralsalze untereinander weit günstiger liegt, während Raffinadezucker selbstverständlich völlig mineralsalzfrei ist. Weitere Nachteile des Naturzuckers sind seine relativ starke exogene Verunreinigung durch Sackfasern, Holzpartikelchen, Pflanzenreste, Tierhaaren, Insekten, Hefen und Bakterien, was sich bei der Lagerung ungünstig auswirken kann; ferner seine geringere Süßkraft gegenüber dem Weißzucker, was die Verwendung größerer Mengen zur Erzielung der gleichen geschmacklichen Wirkung erforderlich macht. Alles in allem ist Rohzucker so wenig ein Naturprodukt wie Raffinadezucker, und es ist an der Zeit, mit dem alten Irrglauben aufzuräumen, seine braune Farbe sei ein Zeichen besonderer gesundheitlicher Vorteile. Ablehnend äußerten sich in letzter Zeit auch die Professoren Heupke, Frankfurt, Halden, Graz und Schweigart, Hannover, auf dem 1.internationalen Nahrungs- und Vitalstoffkonvent 1955 in Freudenstadt. Sie stellten übereinstimmend folgendes fest: "Der braune Zucker hat wegen seines nur geringen Vitalstoffgehaltes wenig Vorteile vor dem weißen Zucker. Beide sind unvollständige Nahrungsmittel. Einen bedeutend höheren Mineralstoffgehalt weisen Rübendicksaft und Rübenmelasse auf, die aber wegen ihres ausgeprägten Eigengeschmackes den raffinierten Zucker bei der Zubereitung vieler Speisen nicht ersetzen können." - Auch auf dem internationalen Zahnärztekongress 1956 in Zürich wurde der gesundheitliche Wert des Naturzuckers sehr in Frage gestellt. Er ist alles andere als kariesverhütend. Keinesfalle ist sein gegenüber dem Raffinadezucker wesentlich höherer Preis gerechtfertigt. Da der Käuferkreis des braunen Zuckers nur einen Bruchteil der allgemeinen Zuckerkonsumenten ausmacht, ist dies offenbar die bekannte Auswirkung von Nachfrage und Angebot, wie ja auch Vollkornbrot leider teuerer ist als Weißmehlbrot. Ausführlichere Hinweise und Referate zu diesem Thema sind in meinem Aufsatz "Wahrheit und Irrtum über den Zucker" enthalten, der mit allen einschlägigen Tabellen etc. augenblicklich in mehreren Folgen im Schweizer "Ernährungsmagazin" erscheint. Dr. K. Windstosser, Landhausklinik Bad Wiessee |
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