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HIPPOKRATESZEITSCHRIFT FÜR PRAKTISCHE HEILKUNDE UND FÜR DIE EINHEIT DER MEDIZIN Organ der Ärztlichen Gesellschaft für Hydrotherapie, Physiotherapie - Kneippärztebund e.V., Bad Wörishofen Organ des Zentralverbandes der Ärzte für Naturheilverfahren e. V.,
Stuttgart Hippokrates-Verlag GmbH., Stuttgart SonderdruckDas Heilfasten bei Magen- und Darmkranken(Unter Verwendung eines am 1. Juni 1957 in Nördlingen gehaltenen Vortrages vor der Landesgruppe Bayern des Zentralverbandes der Ärzte für Naturheilverfahren.) Von Karl Windstosser Wenn wir uns hier mit der Anwendung und Leistungsfähigkeit des Fastens bei Magen- und Darmkranken beschäftigen, so müssen wir uns vor allem darüber klar sein, daß es sich dabei keineswegs etwa nur um eine kürzere oder längere Schonung der Verdauungsorgane handelt, wie der Laie anzunehmen geneigt ist, sondern doch um eine weit tiefer greifende Umstimmung des ganzen Organismus in substanzieller und funktioneller Hinsicht, eine "unblutige Operation", wie es erfahrene Fastenärzte wiederholt nannten. Das zeigt sich schon bei der nächstliegenden Fastenindikation, der Appetitlosigkeit, gleichgültig, ob ihr nun eine psychonervöse Ursache oder eine organische Veränderung wie eine Gastritis, eine Achylie, eine Hepatitis oder irgend eine andere Allgemeinerkrankung zugrunde liegen mag. Auch dem appetitlosen Kind, jener Crux für Familie und Hausarzt, wird durch freundliches - nicht etwa schroffes - Eingehen auf seine gewünschte Nahrungsenthaltung immer noch am besten geholfen, wobei der psychische und physische Erfolg dieses Vorgehens natürlich nicht durch heimliches Zustecken von Süßigkeiten seitens mitleidiger Eltern oder Großeltern in Frage gestellt werden darf. Nach konsequentem Durchhalten über 2, notfalls 3 Tage ohne jede feste Nahrung erlebt man in solchen Fällen mit ziemlicher Sicherheit das Wunder, daß die Kinder widerstandslos essen. Man tut gut daran, auch weiterhin von den Mahlzeiten kein großes Aufheben zu machen und die jederzeitige Wiederholung eines solchen Stoßfastens "auf Wunsch" in Aussicht zu stellen. Auch bei appetitlosen Erwachsenen halte ich den üblichen, direkten oder indirekten Zwang - mit oder ohne Zuhilfenahme appetitfördernder Medikamente, Insulin usw. - für falsch, es sei denn, es liegt eine echte Psychose vor, die eine Fastenkur ja grundsätzlich ausschließt. In allen anderen Fällen müssen wir uns aber vergegenwärtigen, daß der Appetit doch weitgehend von der säuremäßigen und enzymatischen Bereitschaft des Magens und Darms zur Aufnahme der Speisen abhängt. Fehlen diese Verdauungssekrete, so wird die widerwillig gegessene Nahrung auch kaum verdaut und assimiliert. Sie verfällt großenteils der Gärung und Fäulnis und wirkt sich so evtl. sogar toxisch, zumindest aber belastend aus und verändert sicher auch die Darmflora im negativen Sinn, auf die wir gleich noch ausführlicher zu sprechen kommen. Selbstverständlich ist die Appetitlosigkeit oft Symptom einer anderweitigen Erkrankung, die wir durch ein systematisches, richtig unterstütztes Fasten aber auch vielfach heilen oder bessern können, selbst dann, wenn die klinische Diagnose - wie so häufig - nicht mit letzter Sicherheit zu stellen ist. Bekannt ist die bei den meisten appetitlosen Kranken mehr oder weniger belegte Zunge, die sogar gewisse diagnostische Schlüsse erlaubt. Ein solcher Belag entwickelt oder verschlimmert sich auch beim Fastenden fast regelmäßig. Der Zungenbelag geht nach Erreichen eines gewissen Grades der inneren Reinigung während des Fastens im allgemeinen wieder zurück oder verschwindet ganz, dies vor allem bei der sogenannten Landkartenzunge, die immer auf eine stärkere Beteiligung der Leber hinweist. Jedenfalls haben wir es also dabei mit einem Symptom zu tun, das uns über den Stand des inneren Krankheitsgeschehens und über den fortschreitenden Kurerfolg ziemlich genau unterrichtet. Etwas ähnliches gilt vom typischen Geruch des Fasters, der während der ersten Tage sehr unangenehme Grade annehmen kann. Er wird durch flüchtige Fettsäuren und Ketone verursacht und ist ebenfalls ein recht empfindliches Barometer für die Abbauvorgänge und den damit verbundenen Zustand der Selbstvergiftung. Der Appetitlose bietet jedenfalls in mehrfacher Hinsicht ein "Ähnlichkeitsbild" des Fastenden, weshalb sich uns auch aus homöopathischen Erwägungen die Fastenkur hier aufdrängen sollte. Es gibt im übrigen zu denken, daß uns auch sonst im täglichen Leben unzählige Menschen begegnen, die solche pathologische aromatische Stoffe ausatmen, wie sie eigentlich nur beim Fastenden und beim dekompensierten Diabetiker üblich sind. Mit dem Schlucken von Chlorophyllpräparaten ist dieses schwerwiegende Problem jedenfalls nicht abgetan. Ich glaube vielmehr, daß in solchen Fällen doch immer eine latente Funktionsstörung der Leber vorliegt, der wir gleich noch einige Aufmerksamkeit schenken werden. Der Atemgeruch ist also nicht nur beim Fastenden von besonderer diagnostischer und prognostischer Bedeutung. Man sollte die Kur nicht abbrechen, bevor er nicht erheblich an Intensität nachgelassen hat oder ganz verschwunden ist. Eine jugendliche, sehr korpulente Patientin, die sich kürzlich bei mir einem längeren Fasten unterzog, entwickelte schon innerhalb der ersten 48 Stunden einen so penetranten Foetor, daß ich ihr keine komplikationslose Kur prophezeite. Tatsächlich bildete sich gegen Ende der ersten Woche eine fieberhafte, sehr konsumierende, fondrovante Stomatitis mit tiefen ulzerösen Prozessen an der Wangen- und Zungenschleimhaut, wie ich sie glücklicherweise nur selten bei Fastenden gesehen habe. Man muß bei einer solchen Mundfäule, die einem Mercurialismus aufs Haar gleicht, immer nach früherem Gebrauch von Quecksilber fragen. In der Tat hatte diese Patientin mehrere Jahre früher im Verlauf ihrer zahllosen allopathischen Behandlungsversuche etwa 25 Ampullen Novurit zur Entwässerung gespritzt bekommen, selbstverständlich ohne jede nachhaltige Wirkung auf ihre schweren endokrinen Störungen. Einige ähnliche Fälle von Stomatitiden während des Fastens sind mir nach früheren Kuren mit grauer Salbe oder mit Bismogenol, ja selbst nach längerer Einnahme von Kalomel, erinnerlich. Obgleich die Erkrankungen der Mundschleimhaut nicht zu unserem eigentlichen Thema gehören, möchte ich hier auch noch ein Wort zu der weitverbreiteten Parodontopathie sagen, die meiner Erfahrung nach durch keine Behandlung so gut und nachhaltig beeinflußt wird, wie durch ein längeres und wiederholtes Fasten. Ahnliches berichtet auch Buchinger. Die Zahnärzte unserer Patienten sind immer wieder erstaunt und fragen, was denn gemacht worden sei. Selbstverständlich muß ein solcher Patient nach dem Fasten aber auch eine wenigstens in den wichtigsten Punkten reformierte Ernährungsweise beibehalten und sich einer besonders sorgfältigen persönlichen und zahnärztlichen Zahn- und Zahnfleischpflege widmen. Damit können aber auch schwerere parodontitische Prozesse vielfach zum Stillstand gebracht oder günstigstensfalls noch ausgeheilt werden. Das gleiche gilt übrigens von der chronischen Entzündung und Beherdung der Mandeln, der man bei richtiger Handhabung des gesamten Naturheilverfahrens einschließlich des Fastens fast immer konservativ beikommt. Die wichtigste Maßnahme ist allerdings dabei eine serienmäßige, mindestens dreimal wöchentlich vorgenommene, sorgfältige Absaugung und Massage der Mandeln nach der Methode Dr. Röders, wozu ich mich eines etwas modifizierten Instrumentariums bediene und zur Massage auch einige Normalvakzine, wie Symbioflor, Biostreptosan oder das Enderleinsche Chondritin verwende. Der Erfolg hängt weitgehend von der Technik und regelmäßigen Wiederholung dieser Behandlung über längere Zeit und in kürzeren Abständen ab. Vom gelegentlichen brutalen Ausquetschen der Mandeln mit dem Spatel halte ich nichts. Es ist außerdem für den Erfolg einer Fastenkur äußerst wichtig, daß vor oder während derselben alle irgendwie als solche erkennbaren Zahnherde entfernt und nach Möglichkeit auch desensibilisierend nachbehandelt werden. So konservativ wir mit den Mandeln umgehen, so konsequent radikal müssen wir uns dem dentalen Fokus gegenüber verhalten, auch auf die Gefahr hin, Exodontisten genannt zu werden. Wenn man nicht das Glück hat, mit einem in dieser Beziehung sehr gewissenhaften und erfahrenen Zahnarzt zusammenarbeiten zu können, wird einem gerade in schwierigen Krankheitsfällen auch der Magen- und Darmpatienten mancher Erfolg versagt bleiben. Ich empfehle jedem Kollegen dringend, sich ein kleines Röntgengerät und ein faradisches Testgerät mit Feinregulierung anzuschaffen und sich zu einem diagnostisehen Spezialisten zu entwickeln. Durch eigene Erfahrung an einigen tausend Fastenkuren bin ich jedenfalls zu einem Sanierungsfanatiker geworden und kann versichern, daß meine beobachteten Erfolge in dem Maß besser und dauerhafter wurden, in dem ich die Patienten zu einer radikalen Entherdung vor oder während des Fastens bringen konnte. Und was als Voraussetzung für das Fasten gilt, gilt wohl in gleicher Weise für jedes andere Naturheilverfahren. Unnötig zu betonen, daß selbstverständlich bei jedem Magen- und Darmkranken bis zum Fastenenden die Kaufähigkeit möglichst weitgehend wiederherzustellen ist. Schlechte Kauer - schlechte Verdauer ! Was nun die echte Gastritis anacida oder hyperacida betrifft, so wendet dagegen auch die Schulmedizin ein inodifiziertes Fasten an, wie etwa die K a r e l lsche Milchkur. Jede einseitige Kost, ob sie nun vorwiegend Eiweiß oder vorwiegend Kohlenhydrate enthält, nähert sich in ihrer Wirkung dem Fasten mehr oder weniger. Denn die Nahrung im physiologischen Sinn setzt bekanntlich immer ein optimales Verhältnis von Fett, Eiweiß und Kohlenhydraten voraus. Eine solche Kostform führt aber nur dann zu einer echten Heilung, wenn sie nicht als "Schonkost" endlos weitergeführt oder wiederholt wird, sondern über das Stadium des Heilfastens zur Vollwert- und Heilkost hinleitet. Auch B i r c h e r - B e n n e r wurde auf Grund seiner Erfahrung an einer mit den üblichen Diätformen vergeblich behandelten magenkranken Patientin zu den ersten Erkenntnissen seiner Ordnungs- und Ganzheitstherapie gebracht. Manche Gastritiker sind gegen die während des Fastens gegebenen Obstsäfte der Säure wegen empfindlich. Es empfiehlt sich dann, statt dessen täglich drei- bis viermal eine Tasse Hafer-, Reis- oder Weizenschleim zu geben. Letzterer hat als "Kousas-Diät" neuerdings viel von sich reden gemacht. Sie ist auch nichts anderes wie eine modifizierte Fastenkur. Bei Anazidität hat sich mir Ananassaft, frisch gepreßt (nicht etwa gezuckert und aus der Dose!) sehr bewährt, bei Bedarf halb und halb vermischt mit einer der genannten Schleimarten. Auch die bitterstoffhaltigen Tees, wie Wermut, Tausendgüldenkraut, Enzianwurzel. und Kalmus sollten hier gegeben werden, abwechselnd oder gemischt, und zwar auch über das Fasten hinaus während der Aufbautage. Vorsichtig mit Obstsäften muß man auch sein bei Gastritikern mit einem suspekten oder manifesten Ulcus ventriculi oder duodeni, gleichgültig, ob blutend oder nicht. Von B i r c h e r dürfte der Vorschlag stammen, blutende Ulzera tagelang ausschließlich mit einem Gemisch von feingeriebenen Äpfeln und etwas Schlagsahne ohne Zucker zu behandeln. Auch dies kann als Teilfasten bezeichnet werden, wenn jede sonstige Nahrung entfällt. Selbstverständlich muß gerade der Gastritiker und Ulkusträger ausreichend lang und sehr gründlich in die Kur genommen werden und auch immer eine entsprechend lange Aufbaudiät bekommen. Es steht fest, daß diese Krankheiten in der überwiegenden Mehrzahl bei psycholabilen oder neurolabilen Menschen auftreten, die irgendwie mit den Anforderungen des Lebens nicht zurechtkommen oder sonstwie in Konflikte geraten sind. Es muß ihnen also die Möglichkeit einer Entspannung und Umstimmung, ebenso auf psychischem wie physischem Gebiet geboten werden. Gerade der Fastende ist besonders bereit, sich mit dem Fastenleiter über seine inneren Nöte offen auszusprechen und in Ruhe darüber nachzudenken, wie sie zu lösen sind oder etwa eine andere Einstellung ihnen gegenüber zu gewinnen wäre. Zu diesem Zweck schirme man familiäre und geschäftliche Beunruhigungen währen der Kurdauer nach Möglichkeit ab. Der Kurplan gewährleistet einen geregelten Tagesablauf ohne Langeweile, Genußgifte schalten ohnedies sofort völlig aus, und alles übrige tat sich dann gewissermaßen ganz von allein durch das Heilfasten. An spezifisch magenwirksamen Säften möchte ich noch den rohen Kartoffelsaft (aus dem das "Solanolyt" hergestellt wird) und den rohen Saft aus Weißkraut (der neuerdings durch wissenschaftliche Veröffentlichungen aus Amerika hoffähig wurde und sicherlich auch bald als pharmazeutische Spezialität zu haben sein wird) erwähnen. In ihrem natürlichen Urzustand sind diese Dinge immer am wirksamsten und billigsten. Es genügt, täglich 2 bis 3 Eßlöffel von diesen Säften abwechselnd pur oder gemischt mit Schleim zu geben. Weit weniger eindrucksvoll war für mich die Wirkung von Lakritzensaft auf fastende Magenkranke. Sehr wichtig dagegen ist die zusätzliche Anwendung der homöopathischen Ähnlichkeitsmittel, die zusammenhängend am Schluß noch Erwähnung finden. Obwohl man meinen sollte, daß die Magenkranken in ihrer Gesundheit gewissermaßen das Hauptkontingent der Fastenkandidaten darstellen, müssen wir gerade hier einige Einschränkungen machen, wie sich auch Buchinger in seinem bekannten Buch bei diesem Kapitel etwas weniger optimistisch ausdrückt als sonst. Die organneurotische Komponente des Gastritikers und Ulkuspatienten ist eben doch in vielen Fällen stärker, als es für den Kranken und uns Ärzte erkennbar ist. Und die Beseitigung bzw. Änderung der dazu führenden Faktoren bietet leider ebenso oft unüberwindliche Hindernisse oder Schwierigkeiten. Dazu kommt, daß unter der Tiefenwirkung des Fastens - ich erinnere an das eben erwähnte Beispiel der Quecksilberstomatitis - gerade beim Magenkranken gelegentlich unerwartete, recht heftige Krisen auftreten können. Solche Fälle setzen in besonderem Maß ein in jeder Beziehung geeignetes und positiv eingestelltes Milieu voraus. Ambulant sollte man also Gastritiker - mindestens das erstemal - nicht fasten lassen. Die Tendenz zum Wiederaufflackern früherer Symptome, die das Heilfasten charakterisiert, kann eben doch einmal zu einer Blutung führen, wie ich es zweimal erlebt habe und wie es auch Buchinger beschreibt. Damit braucht das Fasten keineswegs etwa erfolglos abgebrochen zu werden, es muß aber doch eine umso überzeugendere Führung des Fastendenund eine noch vorsichtigere Übergangsdiät hernach gewährleistet sein. Ist man sich dieser Voraussetzungen nicht sicher oder erreicht man es nicht, daß der Kranke wenigstens subjektiv während der zweiten Fastenwoche beschwerdefrei wird, so lasse man die Finger davon und versuche andere Heilwege einzuschlagen. B u c h i n g e r schreibt: "Ungeduldig wechseln solche Patienten, nach dem Rückfall Arzt um Arzt. Geduldig und zäh wartet jedoch auf diese vegetativ neurotisch Kranken - die Gastroenterostomie !" Ein umso erfreulicherer Aspekt bietet sich dem Fastenheiler bei den Krankheiten der Leber, des Pankreas und der Gallenblase, die ich wenigstens kurz streifen möchte, obwohl auch sie nicht im engeren Sinn zu den Magen-Darmkrankheiten zählen. Leberschwellungen aller Arten und Ursachen bilden sich nach längerem und wiederholtem Fasten regelmäßig zurück, wobei man selbstverständlich, eine Genese erkennen und ausschließen muß: Die Tumormetastase. Mag es sonst eine Serumhepatitis, eine Virushepatitis, eine Stauungsleber, eine Leberverfettung oder eine echte, beginnende Zirrhose sein: Jeder derartige Patient sollte regelmäßig und streng fasten und sich im Anschluß daran einer musterhaften, vitaminreichen, laktovegetabilen Ernährung befleißigen unter strikter Ausschaltung von Alkohol, Nikotin und Bohnenkaffee. Je nach konstitutionellem Typ gebe ich während der Kur täglich einen heißen Heublumensack auf die Leber oder einen kalten Leibwickel, abgesehen von den noch zu besprechenden homöopathischen Mitteln. Ich verfüge - ebenso wie Buchinger - über eine ganze, Reihe klinisch gesicherter Zirrhosen, die sich unter mehreren Fastenkuren und unter Zuhilfenahme der gesamten naturheilkundlichen Ganzheits- und Ordnungstherapie subjektiv und objektiv bessern oder stationär halten ließen. Einige dieser Patienten verfolge ich schon über Jahre. Sie fasten alljährlich und zeigen bei sonst einsichtiger Lebensweise von Kur zu Kur weniger Symptome und auch Besserung aller mir zur Verfügung stehenden Leberfunktionsproben. Ich bin daher zu der Überzeugung gekommen, daß die übliche infauste Prognose der Schrumpfleber weniger auf der Unbeeinflußbarkeit dieser Krankheit als solcher beruht, sondern doch weit mehr auf der mangelhaften Aufklärung, Behandlung und Führung des Kranken. Dasselbe gilt von den klinisch manchmal nicht leicht diagnostizierbaren Pankreasstörungen und -insuffizienzen, zu denen ich hier auch den pankreatischen Diabetes zählen möchte. Zuckerkranke jeder Genese und jeden Alters machen von wiederholten kürzeren oder längeren Fastenkuren mit größtem Vorteil Gebrauch. Nur bei insulingewöhnten Patienten muß man etwas vorsichtiger sein und während der Übergangszeit vor und nach der Kur tägliche Blutzuckerkontrollen und Profile machen. Zunächst geht man mit den Kohlenhydraten Schritt für Schritt zurück, ebenso mit dem Insulin, und braucht dann in den meisten Fällen schon nach 8 bis 10 Tagen nichts mehr zu spritzen. Von dieser Regel machen nur jugendliche, besonders maligne Formen eine Ausnahme. Jedenfalls erholt sich der Inselapparat und das gesamte Endokrinium des Zuckerkranken während des Fastens, denn die Kohlenhydrattoleranz ist anschließend immer gebessert und der Insulinbedarf geringer. Nur bedürfen eben auch solche Patienten einer besonders sorgfältigen Führung und Überwachung. Ein nicht weniger dankbares Gebiet der Fastentherapie sind die Erkrankungen der Gallenblase, gleichgültig ob es sich um eine reine Mobilitätsstörung, um einen entzündlichen oder infektiösen Prozeß oder um Steine handelt. Die völlige Nahrungseinstellung verschafft dem schmerzgequälten Patienten weit mehr Ruhe als irgendeine Gallendiät, und die örtlichen wie allgemeinen Fastenwirkungen leiten die gestörte Peristaltik der Gallenkanäle meist wieder in geregelte Bahnen. Die Gallensekretion kommt auch während des Fastens nicht zum Stillstand, die Galle wird dünner und heller, sie ist in der Lage, kleinere Konkremente aus den Gallenwegen oder der Blase auszuschwemmen oder aufzulösen, und ihre bakterizide Kraft nimmt zu, so daß auch langwierige infektiöse Cholangitiden und Cholezystitiden ausheilen können. Selbstverständlich sind wir nicht in der Lage, größere Gallensteine durch noch so langes Fasten zum Verschwinden zu bringen. Kleinere sah ich aber mehrmals abgehen, besonders wenn zusätzlich galletreibende Mittel und subaquale Darmbäder gegeben wurden. Fast immer ist eine Beruhigung spastischer Dyskinesien zu erreichen und ein Seltenerwerden oder gar Verschwinden vorher quälender Koliken. Gelingt dies nicht und klagt der Patient trotz mehrmaligen Fastens immer wieder über Schmerzen, so waren seine Kuren auch nicht vergebens, aber bezüglich des Steins hat dann allerdings der Chirurg das letzte Wort. Man sollte den Kranken nochmals durch ein 10- bis 12tägiges Fasten mit gründlicher Darmreinigung auf die Operation vorbereiten und sollte den Operateur - sofern man dazu in der Lage ist - überreden, keine Cholezystektomie, sondern nur eine Cholezystotomie zu machen. Ein Kranker, der mehrmals gefastet hat und eine entsprechende Ernährungsweise beibehält (ohne tierische Fette !), bekommt keine neuen Steine mehr und kann seine auch organisch bestimmt ausheilende Gallenblase bedenkenlos behalten. Sie hat - wie diejenigen, die sich mit Akupunktur befassen, wissen - noch andere, sehr wichtige Aufgaben zu erfüllen außer der Gallenspeicherung. Auch hinsichtlich der Erkrankungen des Dünn- und Dickdarmes erleben wir durch systematisches Fasten immer wieder die interessantesten, nachhaltigsten und beglückendsten Heilerfolge, wie sie auf rein medikamentös-diätetischem Weg kaum zu erzielen sind. Leider ist die chronische Mißhandlung unserer Verdauungsorgane ja so gang und gäbe, daß wir viele bereits pathologische Erscheinungen noch als durchaus normal ansehen. Ich darf hier etwa an die bekannte Verdauungsleukozytose erinnern, die bei einer vollwertigen, natürlichen und vorwiegend roh genossenen Kost keineswegs auftritt (Bircher-Benner), oder an die übliche bürgerliche Küche überhaupt, deren Wertlosigkeit und Schädlichkeit heute zwar auch wissenschaftlich allmählich erkannt, aber doch erst von einer verschwindend kleinen Zahl von Ärzten und Kliniken konsequent ausgemerzt wird. Hierzu zählt auch eine Fülle von Funktionsstörungen des Darmes, über die der Laie wie der Schulmediziner meist stillschweigend hinweggeht, obwohl wir genau wissen, daß sich auf ihnen später schwerere Leiden aufbauen können. Der Darm enthält normalerweise nur eine geringe Menge Kot und überhaupt keine Gase. Sein Inhalt ist im Duodenum und Jejunum flüssig, alkalisch und bis auf einige Kokken praktisch steril, im lieum breiförmig, schwach alkalisch bis neutral und von nur geringen Mengen Bifidus- und Azidophiluskeimen besiedelt, im Coecum zunehmend konsistent, schwach sauer und außer den erwähnten Keimen hier von überwiegend säurebildenden Kolibazillen durchsetzt. Man muß sich wundern, daß der Darm der meisten Menschen - strotzend gefüllt mit faulendem, gärendem, gasbildendem Inhalt - überhaupt noch halbwegs normal arbeitet. Der bekannte Dr. Franz Xaver Mayr in Wien fordert, daß der Gesunde seinen Bauch mit beiden Händen bei schwach gespreizten Fingern bedecken sollte können. Seine weitere, ungeheuer wichtige Forderung - schon bei H i p p o k r a t e s zu finden - ist die einer täglich wenigstens 2- bis 3maligeil Stuhlentleerung, also mindestens so häufig, wie wir uns Nahrung zuführen. Der übliche einmalige Stuhlgang pro Tag ist also schon viel zu wenig, weil sich ja dann die übrige Kotsäule 24 Stunden staut, was wieder zu mehr oder weniger verhängnisvollen chemischen und bakteriologischen Veränderungen führt. Die dritte, eng damit zusammenhängende Forderung ist die einer relativ keimarmen, aber doch möglichst homogenen und überwiegend Escherichia Coli enthaltenden Darmflora. Wie es damit bei der hochkultivierten Menschheit aussieht, brauche ich ebensowenig näher zu erläutern wie die beiden anderen Forderungen des Bauchumfanges und des Entleerungsrhythmus. Auf Grund der Ergebnisse einiger tausend bakteriologischer Stuhluntersuchungen (und nicht nur bei Obstipierten) mußte ich jedenfalls feststellen, daß kaum ein Zehntel der Untersuchten eine einwandfreie Flora besitzt. In vielen Fällen ist der Keimgehalt des Darmes so massenhaft und pathologisch, daß wir mit B a u m g ä r t e 1 sicher von einer Beherdung des Darmes sprechen können. Sogar auf der diesjährigen Internistentagung in Wiesbaden haben sich mehrere Referate angelgentlichst mit diesen brennenden Problemen der mikrobiologischen Symbiose befaßt, um die sich bisher eigentlich nur einige Außenseiter gekümmert haben. Sicherlich haben mehr schwer- oder unbeeinflußbare Leiden hier ihre letzte Wurzel, als wir vermuten. Selbstverständlich,stellen aber schon die damit verbundenen örtlichen Intoxikationen und Schädigungen der Mucosa und Muscularis jeden geregelten Bewegungsablauf in Frage, der schon vom Menschen mit seinen unzähligen gesellschaftsbedingten, erziehungsmäßigen und ernährungsgesetzlichen Fehlern hinreichend vernachlässigt und abgewürgt wird. Es ist ein Circulus vitiosus, für den schon M e t s c h n i k o f f vor 50 Jahren die Parole geprägt hat "Der Tod sitzt im Darm", heute ein Slogan der Abführmittelfabrikanten, die trotz der unerschöpflichen Fülle ihrer Präparate die arme, darmkranke Menschheit leider immer noch tiefer in ihr Unglück führen. Mag es sich um eine Obstipation, um eine Erschlaffung oder Hypertonie des Darmes, um einen akuten Infekt, um eine Dysbakterie oder eine entzündliche Veränderung der Darmschleimhaut handeln, in jedem Fall können wir dem Kranken durch eine einmalige oder wiederholte Zeit der völligen Entleerung, der Entspannung, der Besinnung, der Erkenntnis und der Nahrungsenthaltung helfen. Selbstverständlich muß auch hier zur Dauer des Erfolges die Lebens- und Ernährungsreform beitragen. Aber auch die einmalige gründliche Fastenkur kann schon Wunder wirken. Die Darmflora nimmt während derselben ab, so daß Ausgefastete nicht selten fast keimfreie Stühle haben. Unter der richtigen Aufbaukost entwickeln sich . dann vorwiegend normale Kolistämme, milchzuckervergärend und säurebildend, und es bleibt dem Behandler überlassen, ob er diesen Prozeß noch durch irgendwelche Kolipräparate unterstützen will oder nicht. Nach jahrelangen Versuchen überschätze ich die Wirksamkeit solcher Mittel nicht und halte es mit dem Ausspruch des alten französischen Klinikers Claude B e r n a r d : "Le microbe n'est rien, le terrain c'est tout." Gerne geben wir in solchen Fällen starker Dysbakterie und entzündlich veränderter Schleimhaut während des Fastens täglich den guten alten Kamillentee mit etwas Milchzucker, weil ersterer leicht antiseptisch wirkt (die pharmazeutische Industrie hat aus dieser Droge neuerdings die Azulone entwickelt) und weil der Milchzucker das beste und billigste Futter für unsere Kolibazillen ist. Was für die Dysbakterie gilt, gilt in gleicher Weise auch für die Darmparasiten. Ob Oxyuren, Askariden, Trichozephalen oder Taenien: Jede Sorte weicht dem passenden Mittel umso rascher und sicherer, je leerer der Darm, je "ungemütlicher" das Milieu, das frei von Nahrung und aktiviert durch den Fastenvorgang eine evtl. pharmazeutische Reinigung desto wirksamer unterstützt. Gesondert erwähnen möchte ich noch die therapeutisch so schwer beeinflußbare Colica mucota (Colitis gravis), über deren vorwiegend psychogene, zusätzlieh wohl auch allergische Herkunft uns auch die Wissenschaft hoch keine befriedigende Auskunft zu geben vermag. Trotz des meist recht elenden Allgemeinzustandes fühlen sich solche Kranke während eines längeren Fastens immer sehr wohl und wie erlöst von ihren spastischen Beschwerden und ewig schleimigen oder blutigen Stühlen, so daß sie sich auch zu Wiederholungskuren geradezu drängen. Auf Normalisierung der Darmflora muß bei diesem Leiden besonders hingearbeitet werden. Ich habe allerdings einmal eine ziemlich heftige, interkurrente Darmblutung erlebt, die den guten Heilerfolg der Kur glücklicherweise nicht in Frage stellte und den dankbaren Patienten auch nicht abhielt, das Fasten zu wiederholen. Bei anderen Colitisfällen ist wieder die Psychotherapie von bestem Erfolg, was besonders Herr Prof. K i e h n, Erlangen, ausdrücklich bestätigt. Als letzte Darmkrankheit seien noch die Hämorrhoiden genannt, die durch ein längeres Fasten mit größter Sicherheit zum Verschwinden zu bringen sind. Die völlige Entleerung des hierbei meist überdehnten Dickdarmes und der Rückgang der begleitenden oder auch ursächlichen Pfortaderstauung macht uns diese Erfolge erklärlich. Unter den Hilfsmethoden stehen in solchen Fällen der Heublumensack, das kalte Tauchsitzbad, der Leibwickel und die ableitenden Schenkel- und Untergüsse an der Spitze, zumal es sich fast immer um plethorische W-Typen handelt, denen wir ja mit Kneipp besonders gut beikommen. Aber wir dürfen bei Hämorrhoidariern auch wieder nicht zu früh jubeln. Die Aufbautage bringen gelegentlich unangenehme Rückfälle, besonders dann, wenn es nicht gelingt den Stuhlgang alsbald in der optimalen Konsistenz in Gang zu bringen. Ist das aber ohne Zuhilfenahme der hier absolut kontraindizierten Abführmittel gewonnen und der vielfach sitzend tätige Patient einsichtig genug geworden, zu Hause durch ausgleichende Bewegung, Vermeidung aller nicht unbedingt notwendigen Autofahrten, geeignete Kost und wöchentlich 2 bis 3 Tauchsitzbäder etwas mitzuhelfen, so ist die Nachwirkung des Fastens bei Hämorrhoiden in den meisten Fällen doch recht befriedigend. Von den Hilfsmethoden wurden die wichtigsten schon gestreift. Ich kombiniere seit einigen Jahren die Fastenkur grundsätzlich mit einer gezielten, konstitutionell möglichst genau angepaßten Hydrotherapie nach Kneipp und glaube, damit optimale Fastenwirkungen bei einem Minimum an Krisen zu erreichen. Der tägliche Heublumensack auf den verkrampften Darm oder Magen, die empfindliche Leber oder Gallenblase ist von weit besserer Wirkung als ein einfacher Umschlag oder eine Wärmflasche. Ebenso wichtig ist der hohe Einlauf wenigstens jeden zweiten Tag und - soweit technisch durchführbar - das wöchentlich einmalige subaquale Darmbad, das bei spastischen Patienten durch 1 bis 2 Tabletten Papaverin vorher erleichtert werden kann. Es bliebe nur noch übrig, die bewährtesten homöopathischen Hilfen zu streifen. Es mag daran erinnert sein, daß wir in der Homöopathie keine Mittel gegen bestimmte Beschwerden oder Symptome kennen, sondern nur Mittel für die Persönlichkeit unseres Patienten mit all seinen psychischen und physischen Eigentümlichkeiten. Da tritt uns etwa gegenüber der meist übergewichtige, abgehetzte und überreizte Manager, vorwiegend dunkler Komplexion, ein Freund des guten Essens und Trinkens, belastet durch Alkohol, Nikotin und Kaffee (die aber doch nicht sonderlich gut bekommen), ein Mensch, der sich und seiner Umgebung allmählich unerträglich wurde, aufbrausend, ungerecht, von allen möglichen echten und eingebildeten Leiden gequält, der typische Hypochonder, und Choleriker, der seine Kur aber dennoch aus Zeitmangel bis zum letzten Augenblick aufschiebt. Die Koronarinsuffizienz ist meist schon manifest, die Leber vergrößert, das Gefäßsystem vorwiegend hypoton, der Stuhlgang träge und die Hämorrhoiden nahezu obligat. Die Stimmung ist auf dem Nullpunkt, einigermaßen geht es noch nach dem Frühstück oder abends beim Schöppchen und der guten Zigarre. - Diesem Typ geben wir im Falle stärkerer Fastenkrisen mit Vorteil Nux vomica, und zwar in um so höheren Potenzen und selteneren Gaben, je ausgeprägter die Ähnlichkeit ist. Andere Patienten wieder gehören zu den Sonderlingen, Einzelgängern, Grüblern. Äußerlich sind sie einschließlich ihrer Kleidung wenig gepflegt, die Zähne verwahrlost, Haut und Haare trocken, rauh und spröde, nicht selten bestehen irgendwelche Ekzeme, Seborrhoe, Akne oder Furunkelneigung. Bindegewebsschwäche herrscht vor und macht sich durch Bruchanlage, Senkfüße, Krampfadern oder Hämorrhoiden bemerkbar, letztere gleichzeitig ein Zeichen der fast immer vorhandenen venösen Stauung und sonstigen Kreislaufschwäche. Hände und Füße sind meist kalt. Wir finden bei diesem Typ häufig irgendwelche egozentrische oder sonstwie ausgefallene Weltanschauungen, Fanatismen oder Absonderlichkeiten und wir begegnen ihm in Naturheil- und Fastenkuranstalten recht häufig, weil ihm wesensmäßig der Protest gegen die Schulmedizin und die Neigung in außenseiterischen Heilmethoden liegt. - Hier nehmen wir im Fall besonderer Schwierigkeiten beim Fasten Sulfur zu Hilfe, in mittleren und höheren Potenzen und seltenen Gaben. Vorwiegend in seiner weiblichen Form kennen wir den zarten, blassen, schwächlichen und kälteempfindlichen Typ, der es aber dennoch zu respektablem Körpergewicht bringen kann. Die Komplexion ist blond, blauäugig, die Stimmung leicht verzweifelnd, dicht ans Wasser gebaut, aber positiven wie negativen Einflüssen gerne zugänglich, gutmütig und aufgeschlossen. Als ausgesprochener W-Typ sehr sauerstoffbedürftig, gegen überfüllte und überheizte Räume empfindlich und zu Ohnmachten neigend. Häufig besteht Ausfluß oder irgendeine andere katarrhalische Anfälligkeit. Trotz ihrer Frostigkeit gehen diese Weiblichkeiten ihres Sauerstoffhungers wegen aber gerne spazieren und lieben auch das offene Fenster. - Es ist die Pulsatilla, die hier in geeigneten Fällen hilft und meist in mittleren oder höheren Potenzen angebracht ist. Etwa vom Äußeren eines Pfarrer K n e i p p präsentiert sich uns der nächste Typ, gutmütig und phleginatisch, meist korpulent, schwitzend und kurzatmig. Der ohnedies schlechte Schlaf wird durch das Fasten noch schlechter. Hände und Füße sind kalt und feucht, der Kreislauf meist hyperton, die Wasserausscheidung schlecht. In der Jugend wurde nicht selten eine Rachitis oder Skrophulose überstanden. - Solchen Patienten ist mit Calcium carbonicum beizukommen, D 30, C 30, evtl. in Verbindung mit einem passenden leichten Cardiacum wie Adonis, Apocynum, Aurum, Arnika, Crataegus, Scilla, usw. Einem anderen Mittel entspricht so ziemlich der dickste Zungenbelag, den wir bei Fastern erleben. Er ist weiß, und auch durch Bürsten nicht zu entfernen. Meist besteht eine ausgeprägte rheumatisch-gichtische Anlage und irgendwelche Ausscheidungsstörungen. Im Oberbauch oder in der Lebergegend fühlen sich solche Menschen immer "voll", sogar während des Fastens. Gegen Obstsäure sind sie empfindlich. Manchmal steht Übelkeit, Angst und Schwäche im Vordergrund. Äußerlich robust erscheinend, sind diese Typen dennoch nicht selten künstlerisch irgendwie begabt, musikalisch oder lyrisch besaitet. - Antimonium crudum, nicht unter der 6. Potenz, vermag hier durch eventuelle Fährnisse des Fastens hindurchzuleiten. Viele solcher homöopathischer Wirkungsbilder gehörten eigentlich noch hierher. Recht häufig begegnet uns die Sepia, die weibliche Nax vomica, mit ihrer vorwiegend dunklen Komplexion, reizbaren Stimmung, Hoffnungslosigkeit und allgemeinen Schwäche, oder der Natrium muriaticum-Patient vorwiegend mit Melancholie, Rückenschwäche, Kopfschmerzen, hartnäckigster Obstipation und großer Empfindlichkeit gegen die Sonne. Der Mercur wurde andeutungsweise schon gelegentlich der Stomatitis erwähnt. Auf zwei Mittel möchte ich noch hinweisen, die mir immer wieder vorzüglich halfen bei den leider recht häufigen Fällen von Schlaflosigkeit während des Fastens, soweit sie nicht durch die erwähnten Konstitutionsmittel beeinflußbar ist: Zincum, wenn sich vorwiegend körperliche Unruhe bemerkbar macht (spinal bzw. dienzephal), wenn die Patienten also nicht ruhig liegen bleiben können, besonders wenn sie an quälender Unruhe der Arme und Beine leiden. Gleichgültig, ob dann Zinc. Met. oder Zinc. valerian. gegeben wird, wirksam ist beides als abendliche Gabe der Verreibung in 4. bis 6. Potenz. Ist die Unruhe aber mehr geistigen Ursprungs (zerebral), der Patient dabei hellwach, voller Gedanken, seine Herzaktion lebhaft, die Sinnesorgane überreizt und all dies auch durch Lesen nicht zu beruhigen, so gibt es nur ein ähnliches Mittel und das ist Coffea. 10 Tropfen der 30. Potenz bringen in diesem Fall sichere Hilfe. Das Heilfasten, richtig indiziert und geleitet, ist eine "Via regia" der biologischen Medizin. Wir können erstaunliche Heilkräfte damit wecken, müssen uns aber immer des tiefen leib-seelischen Eingriffes bewußt bleiben, den wir unseren Patienten damit zufügen. Deshalb gilt hier ganz besonders die Hahnemannsche Aufforderung und Mahnung "Macht's nach, aber macht's richtig nach!". DK 616.33/.34-083.2 Amchrift: Dr. med. K. W i n d s t o s s e r, Bad Wiessee, Landhausklinik |
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