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Sonderdruck aus
Krebsgeschehen Prophylaxe, Ätiologie, Diagnostik, Therapie, Rehabilitation 5. Jahrgang 1973, Heft 5, Verlag für Medizin Dr. Ewald Fischer
Grundsätzliches zur Ernährung des Krebskranken und Krebsgefährdeten(Kurzfassung eines Vortrages am 4. 11. 72 in Baden-Baden.) Von K. WINDSTOSSER Der Vollwertkost gebührt im Rahmen der ganzheitlichen prä- und postoperativen Tumortherapie der erste und wichtigste Platz. Riess von der I. Universitäts-Frauenklinik München schreibt: "Die stoffwechselaktive Ernährung stellt die Basis für die allgemeine innere Behandlung der Krebskranken dar." Eine solche Kost vermag die Abwehrkräfte zu mobilisieren, die Regulationsvorgänge zu unterstützen, die Regeneration inaktiver oder geschädigter Gewebe zu gewährleisten, die Sauerstoffutilisation zu fördern. Selbst in Stadien der Unheilbarkeit trägt sie zur Verbesserung des Allgemeinbefindens und der Lebenserwartung sowie zur Linderung eventueller Therapieschäden bei. Die an eine optimierte Ernährung zu stellenden Forderungen sind:
Der bürgerlichen Küche - noch heute in fast allen Krankenhäusern und Kliniken praktiziert - fehlen Vitalstoffe, Auxone, Spurenelemente. Sie sättigt, nährt aber nicht im biologischen Sinn. KOLLATH nannte den durch eine solche Kost unterhaltenen Zustand Mesotrophie. Nur eine Ernährung, die den 10 erhobenen Forderungen entspricht, kann als Heilnahrung bezeichnet werden. Ihre Durchführung ist nicht immer einfach, aber sie ist lebenswichtig und schicksalentscheidend. Grobe Gift- und Schadenswirkung haben als selbstverständlich ohnehin auszuschalten. Ihre Erkennung und Vermeidung ist die Aufgabe des immer wichtiger werdenden Verbraucherschutzes. Um die Jahrhundertwende erkannte BIRCHER-BENNER als erster die Bedeutung der Vollwertkost. Sie setzt Verzicht auf manche herkömmliche Gepflogenheit der Küche und Gewohnheit des Gaumens voraus. Vor allem hat weitgehend die Denaturierung durch Hitze wegzufallen. Qualität hat vor Quantität den Vorrang, laktovegetabile Zusammensetzung vor einem übermaß an animalischen Bestandteilen. Die Idealforderung der schon vom Boden her gesunden und hochwertigen Erzeugnisse ist leider erst zum kleinsten Teil erfüllbar. Diesbezügliche Aufklärung durch die Massenmedien sollte ebenso gefördert werden wie jede praktizierte Nutzanwendung. Zum Nachweis der dadurch erzielbaren biologisch-qualitativen Vorzüge sind die herkömmlichen chemisch-analytischen Methoden ungeeignet. Wir bedürfen dazu der viel feineren Kriterien dynamischer, formbildender, biologischer Art. An der Spitze des Speiseplanes für den Krebskranken und Krebsgefährdeten hat somit die Rohkost zu stehen. In ihr sind die gesamten metabolischen und genetischen Kräfte enthalten, die durch den Kochprozeß zerstört werden. Rohkost ist permanente zytoplasmatische Therapie! Mit biologisch toter oder halbtoter Nahrung können keine Heilungsvorgänge ausgelöst oder unterhalten werden. Deshalb sollte auch der veraltete Begriff Diät durch die Bezeichnung Heil- oder Vollwertkost ersetzt werden. Denn Diät im herkömmlichen Sinn ist nie vollwertig, sondern Mangelkost. Funktionelle Schwächen oder Organdefekte werden durch sie überbrückt, aber unterhalten und nicht geheilt. Gerade der kranke Organismus bedarf aber des Nahrungsintegrals (BIRCHER-BENNER), an das er nötigenfalls allmählich herangeführt werden muß. Häufigen kleinen Portionen ist dabei der Vorzug gegenüber den üblichen 3 Mahlzeiten zu geben, wenngleich dies für Pflege und Klinik eine erhebliche personelle Belastung darstellt. SALZBORN erhob diese Forderung schon in den 20er Jahren und erzielte damit auch bei Inkurablen erstaunliche Erfolge. Das Geheimnis einer gut bekömmlichen Rohkost ist ihre delikate Zubereitung. Schmackhafte, abwechslungsreiche Soßen mit vielerlei Gewürzen und Kräutern sind das Kriterium einer wirklich gekonnten Küche. Auf diese Weise läßt sich roh fast alles zu feinsten Gerichten verarbeiten, was auf konventionelle Weise gekocht oder gedünstet wird. Allerdings muß der Kranke gut kauen können, was gelegentlich der obligaten ärztlichen beziehungsweise zahnärztlichen Gebißuntersuchung ohnehin festgestellt und nötigenfalls in Ordnung gebracht wird. Die Rohkost ist - auch bei der üblichen Verteilung der Mahlzeiten - grundsätzlich als erstes anzubieten und vom Kranken zu verzehren. Zum Frühstück ist es das Vollkorn-Getreide, das als Gemisch von angekeimtem Hafer, Roggen und Weizen als Grundlage für das Bircher-Müsli dienen sollte. Mittags sind es die vielerlei Sorten von Blättern, Wurzeln und Knollen, die je nach Jahreszeit frisch geraspelt, in den Wintermonaten auf natürliche Weise konserviert als Sauerkraut, als milchsaure Gemüse oder auch tiefgekühlt auf den Tisch kommen. Als warme Beigabe ist es zweckmäßig, zwischen Kohlenhydraten und Eiweiß abzuwechseln, diese also nach der Regel der Hayschen Trennkost nicht gleichzeitig zu geben. 2-3mal wöchentlich können es (beliebig zubereitet) Pellkartoffeln, Vollreis, Buchweizen oder Vollkorn- beziehungsweise Soja-Teigwaren sein, 2-3mal eine kleine Portion Fleisch (oder Leber) von Rind, Hammel, Wild oder Fisch. Vor Mastgeflügel, Kalb und Schwein in jeder Zubereitung (also auch Wurst und Schinken) sei nachdrücklich gewarnt. Die Rückstände der chemischpharmazeutischen Futterzusätze haben hier eine beängstigende Höhe erreicht. Abends kommt vorteilhafterweise der Eiweißbedarf zu seinem Recht, wobei wir den natürlich gesäuerten Molkereiprodukten den Vorzug geben. Süßmilch ist für den Krebsgefährdeten weniger ernpfehlenswert. Sie ist wachstumsanregend, was ihrer Bestimmung als Säuglingsnahrung durchaus entspricht, mit der Wachstumstendenz der Geschwulst aber vielleicht doch nicht recht harmoniert. Durch den bakteriellen Säuerungsprozeß verliert die Milch diesen fast "hormonähnlichen" Charakter, sie wird "verpflanzlicht" und damit auch in ihrer biologischen Wirkung verändert. Sanoghurt, Bioghurt, Buttermilch, Dickmilch, Kefir, vor allem aber Quark und milde Magerkäse sind für den Abend die geeignete Nahrung. Durch dazugequirltes Reformhaus-Öl läßt sich der kalorische Wert dieser Quarkspeisen steigern, durch Gewürze wie Paprika, Curry, Kümmel, Hefepräparate oder auch durch zerschnittenes Obst, Beeren etc. der Geschmack mannigfach variieren. Zucker darf der Krebsgefährdete in keiner Form genießen, auch nicht als Fruchtzucker. Er ist ein chemisch reines Produkt, „leere Kalorie“, und verstößt als solcher gegen das Gesetz vom Nahrungsintegral. Auch Honig und süßes Dörrobst sollte mindestens während des ersten Behandlungsjahres vermieden werden. Man gewöhnt sich rasch an den Eigengeschinack der Speisen und entbehrt das Süße alsbald kaum mehr. Die Milchsäurefrage ist noch nicht restlos gelöst. Wahrscheinlich hat man der rechtsdrehenden Milchsäure lange Zeit eine unverdiente und übertriebene Würdigung angedeihen lassen. Auch sie kommt ebensowenig wie Zucker - in reiner Form in keinem Naturprodukt vor. Die Gärung erzeugt stets rechts- und linksdrehende Milchsäure, wenngleich die rechtsdrehende Form vorherrscht und als die physiologisch wertvollere und wichtigere zu gelten hat. Sie wird im Organismus als Energiespender verwertet und wirkt als solcher - zu Tumorzellkulturen gegeben - zwar gärungswidrig und atmungsfördernd, aber auch wachstumssteigernd (KUHLMEY). Die medikamentöse Wirkung chemisch reiner Milchsäure, auch in ihrer rechtsdrehenden Form, ist also noch durchaus problematisch. In ihren natürlichen Komplexen ist die Milchsäure sicherlich nützlich und wertvoll, ähnlich dem Zucker in seiner natürlichen Form der Vollkornprodukte und Früchte. Getränke soll der Krebsgefährdete reichlich zu sich nehmen, weil die hier vorherrschende Vagotonie imrner mit einer gewissen Flüssigkeitsverarmung und Austrocknungstendenz verbunden ist. Demineralisiertes beziehungsweise destilliertes Wasser hat den Vorteil stärksten Lösungsvermögens und maximaler Diurese. Es ist zur Zubereitung von Tee und zum Verdünnen (ungesüßter) Obstsäfte in einer täglichen Menge von 1-2 Litern empfehlenswert. Im übrigen stehen vielerlei natürliche oder milchsaure Säfte aus dem Reformhaus zur Verfügung, desgleichen Buttermilch und alle bereits erwähnten milchsauren Molkereiprodukte. Auch ein gelegentliches Diätpils, ein natürlicher reiner Wein oder zuckerfreier Sekt (S&C) ist durchaus erlaubt, wenngleich nicht täglich. Wer optimale Erfolge mit der ganzheitlichen Krebstherapie erzielen will, kann auf die fehlerfreie und vollwertige Ernährung seiner Patienten nicht verzichten.
Empfehlenswerte Literatur zur praktischen Durchführung der beschriebenen Kostform:
(Anschrift des Verfassers: Dr. med. K. Windstosser, 4902 Bad Salzuflen, Moltkestraße 13)
Sonderdruck aus: Hilfe und Selbsthilfe bei Krebsgefährdung SIGNAL Ernährung bei Krebs (Kurzfassung eines gleichnamigen Vortrages, gehalten vor den Patienten-Selbsthilfegruppen der Gesellschaft zur Bekämpfung der Krebskrankheiten Nordrhein-Westfalen.) Von Dr. K. Windstosser Ziel jeder Heil- und Vollwertkost ist eine Wiederherstellung und Erhaltung natürlicher Ordnung. Krebs ist das Resultat bewußter oder unbewußter, z. T. schon von den Vorfahren begangener Verstöße gegen die biologischen Ordnungsgesetze. Die Entfernung der Geschwulst ist wichtig, die Geschwulstkrankheit, das „Tumormilieu“ wird jedoch dadurch nicht beseitigt. Diese Aufgabe muß vom Organismus selbst bewältigt werden. Dabei helfen ihm die ganzheitsmedizinischen Maßnahmen, unter denen die Ernährungsumstellung eine hervorragende Rolle spielt. Die chirurgisch, radiologisch und chemotherapeutisch erzielbaren Erfolge werden dadurch stabilisiert, vertieft und verbessert, der mit diesen Mehoden leider immer verbundene Therapieschaden gemildert und schneller überwunden. Das Verhalten des von einem Geschwulstleiden Betroffenen unmittelbar nach der Diagnosesteilung und die in völliger Kenntnislosigkeit des Kranken, in Panik und in falscher Reihenfolge überstürzt einsetzenden Maßnahmen können bereits in der ersten Stunde schicksalsentscheidend sein. Je kritischer die Situation, desto wichtiger sind nunmehr Überlegung, Kenntnis der Behandlungsmöglichkeiten und Umstellung der Lebensweise von heute auf morgen. Die für den Krebsgefährdeten von nun an geltenden Ernährungs-Grundregeln sind folgende: 1. Nahrungseinschränkung! Dies besonders bei Übergewicht, denn jede nicht benötigte Kalorie füttert den Krebs. Keine weitere Abnahme jedoch bei Untergewicht. Biologische Qualität der Kost ist fortan wichtiger als deren Quantität. Lieber etwas öfter und dann kleinere Portionen essen. 2. Eiweißeinschränkung! Die übliche Durchschnittskost enthält zu viel Eiweiß, besonders tierischer Herkunft. Es belastet das Blut, verengt die feinen Blutgefäße, begünstigt die degenerativen Zellveränderungen und behindert jeden Heilungsvorgang. 3. Weg von Feinmehlprodukten und Zucker! Sie durchkreuzen jede erfolgversprechende Krebstherapie. Von frühester Kindheit an verursachen und unterhalten sie viele, z. T. irreparable Gesundheitsschäden und Krankheitsdispositionen. Nur das volle Korn mit allen seinen Bestandteilen ist ein echtes Lebensmittel, sei es Roggen, Weizen, Hafer, Gerste, Mais, Reis, Hirse, Grünkern, Buchweizen usw. in allen Varianten ihrer Zubereitung. Als Zuckeraustauschstoff sollte nur Canderel verwendet werden (Apotheke). 4. Fetteinschränkung! Zu fordern ist auch hier biologischer Vollwert. Deshalb verwende man ausschließlich kaltgeschlagene Öle und nichtgehärtete Streichfette. Butter ist nicht verboten, muß gegenüber den atmungsaktiven und cholesterinfreien Pflanzenfetten jedoch zurücktreten. 5. Rohkost! Sie ist der eigentliche Schlüssel zur Gesundheit. Jede Art von Erhitzung zerstört Leben, auch die Lebendigkeit unserer Nahrung. Leben kann aber nach ewigen Gesetzen nur durch lebendige Substanz erhalten werden. Was roh gegessen werden kann, ist lebendig. Kochen, Braten Backen, Dämpfen, Dünsten und Grillen liefert tote Nahrung. Bircher-Benner forderte schon vor hundert Jahren: Je kränker der Mensch, desto höher sei der rohe Anteil seiner Speisen. Dies erfordert: Qualitätswahl beim Einkauf, Umstellung der Küche, Delikatesse und Variation bei der Zubereitung, Umerziehung des Geschmackes, gründliches Kauen. 6. Natürliche, genußgiftfreie Getränke! Alle Mineralwässer und harten Leitungswässer sind wegen ihres hohen Gehaltes an anorganischen Salzen abzulehnen. Es gibt jedoch einige extrem mineralarme Quellen, die dem Gesunden und Kranken zu empfehlen sind: Die Haderheckquellen in Königstein, Eau de Volvic aus Frankreich, Eau de Spa aus Belgien. Diese Sorten sind auch in der Küche zu verwenden. Weitere natürliche Getränke sind alle nicht zusätzlich gezuckerten Obst- und Gemüsesäfte sowie deren milchsauren Zubereitungen. - Milch wird im gesamten Naturreich vom erwachsenen Lebewesen nicht mehr getrunken, Man ersetze sie weitgehend durch Sojamilch, kann sie jedoch - unter Beachtung der Eiweiß-und Fettbeschränkung - in mäßiger Menge und nur in Form ihrer milchsauren Gärungsprodukte wie Quark, Kefir, Sanoghurt, Sauermilch und Buttermilch sowie schwach gesalzener Käse genießen. Der Tages-Speiseplan gestaltet sich unter diesen Umständen etwa so: Früh: Müsli, obligat und so geschrieben, bestehend aus Keimkorn (je 1 Kaffeelöffel Sprießkorn-Weizen, -Roggen und -Hafer, keinesfalls geschrotet, sondern angekeimt. Dies dauert im Winterhalbjahr 3 x 24 Stunden, im Sommer 2 x 24 Stunden. Es muß richtig gemacht werden, Auskunft gibt das Reformhaus), dazu je die gleiche Menge Linusit, Vollkorn-Haferflocken, Weizenkleie, evtl. zusätzlich Weizenkeime; grob geriebener Apfel und zum Anrühren Sojamilch nach Belieben. Vollkornbrot mit Fettaufstrich, Quark, Käse, zuckerfreier Marmelade (diese erst in fortgeschrittenen Heilungsstadien fruchtzuckergesüßt). Mittags: Rohlkost stets an erster Stelle und zum Sattessen! Sie besteht aus mehrerlei geriebenen oder geschnittenen Blattgemüsen, Knollen und Wurzeln, evtl. auch rohem Sauerkraut. Alles delikat angemacht mit verschiedenartigen Soßen, mayonnaiseähnlich, nahrhaft zubereitet auf der Basis von Quark, Kefir, Sahne, Öl , Mandelmus, variiert durch Zugaben von Tomatenmark, Senf, gehacktem Ei, fertigen handelsüblichen Salatsoßen, Gewürzen, jedoch unter Kochsalzeinsparung. Als warme Beigabe Kartoffelgerichte, Hülsenfrüchte, Sojazubereitungen, Vollkornprodukte wie Reis, Teigwaren, evtl. daraus hergestellte Suppen oder Breie (siehe oben unter 3). Abends: Entweder in Richtung Kohlenhydrate, ähnlich wie unter Mittags angegeben, unbedingt wieder mit etwas Rohkost oder Obst, oder in Richtung Eiweiß: Milchsaure Molkereiprodukte, Quarkzubereitungen, Käse, ab und zu auch eihaltige Speisen. Zu unterscheiden ist stets zwischen den Stufen Vegetabil-Laktovegetabil - Ovo-Lakto-Vegetabil. Sie entsprechen in etwa dem jeweiligen Stadium des Genesungsvorganges (siehe oben unter 5). Anleihen an die Fleischküche sollten die große Ausnahme bleiben und während der ersten Behandlungswochen ganz unterbleiben. Wild, Schaf, Rind, Freilandgeflügel und Fisch sind in diesen Fällen zu bevorzugen. Zum Verständnis dieser Ernährungs-Grundregeln und zur küchentechnischen Anwendung derselben sollte wenigstens das eine oder andere der unzähligen Bücher diätetischen Inhaltes herangezogen werden. Empfehlenswerte Titel für den Krebsgefährdeten und seine Angehörigen sind folgende, alphabetisch nach den Verfassernahmen aufgeführt: Weiterführende Literatur:
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