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SonderdruckDie Weizenkur nach Dr. KousaEin Erfahrungsbericht - von K. Windstosser Seit 1952 brachte die biologisch-medizinische und lebensreformerische Literatur wiederholt Originale und Referate über die von Dr. Argyris Kousa aus Thesssaloniki empfohlene und nach ihm benannte Weizendiät. Sie besteht in der ausschließlichen oder vorwiegenden Verabreichung von gekochtem Weizen in passierter Form. Diese Heilkost hat - wenn auch aus anderen Getreidearten hergestellt - in der "Kurspeise" und "Kursuppe" der Schrothschen Kur, in der Haferdiät nach Noorden, in der Waerlandschen Kruska, in der Kempnerschen Reisdiät und in gewissem Sinn auch im Bircher-Müsli ihre Parallelen und Vorläufer. K o u s a empfiehlt für den Erwachsenen 500 bis 1000 g Weizen pro Tag, der mit etwa der gleichen Menge Wasser mehrere Stunden zu kochen und dann zwecks Entfernung der gröbsten Schalenbestandteile mittelfein zu passieren ist. Es ergeben sich so etwa 1 bis 2 Liter Schleim, dessen Konsistenz man zweckmäßigerweise zwischen der eines Breies und einer Suppe hält. Nach meiner Erfahrung kommt man aber auch mit weniger als 1 Liter täglich aus. Das am einfachsten auf einmal hergestellte, und im Kühlschrank aufzubewahrende Quantum wird auf 4 bis 5 Portionen über den Tag verteilt und nach Belieben warm oder kühl genossen. Die Stärke des Weizens wird durch den Kochprozeß größtenteils verkleistert und dextriniert und damit leicht assimilierbar. Die eiweißähnlichen Bestandteile quellen und verwandeln sich in ein Gel. Läßt man die gewaschenen (und selbstverständlich beizmittelfreien) Weizenkörner 2 bis 3 Tage lang vorher, in täglich gewechseltem Wasser ankeimen, so setzt eine enzymatische Invertierung der Stärke ein und man kommt mit etwa der halben Kochdauer aus. Zur Erleichterung dieser umständlichen Zubereitung ist in letzter Zeit ein flockiges Präparat ("Weizenbreikur nach Dr. K o u s a ", Hersteller Milupa-Pauly-GmbH., Friedrichsdorf i. Taunus. ) auf den Markt gekommen, das lediglich mit Wasser kalt angerührt und kurz erhitzt werden muß. Es ist nach meiner Erfahrung wirkungsmäßig dem selbstgekochten Weizen gleichwertig, geschmacklich sogar überlegen. Die K o u s a - Diätspeise kann laut Originalvorschrift nach Belieben leicht gesüßt werden, wozu man braunen Zucker, Honig, Sanddornbeerensirup oder Apfelfriate verwendet. Man kann sie aber auch mit ein wenig Meerwasser, Hefeextrakt und Glutaminsäure pikant anrichten. Bei sparsamem Gebrauch dieser Gewürze ist eine Beeinträchtigung der diätetischen Wirkung nicht zu befürchten. Fett, Milch sowie andere Eiweißquellen oder kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel müssen jedoch während der Weizenkur unbedingt gemieden werden. K o u s a sieht gerade im ausschließlichen Gebrauch seines Weizenschleims über längere Zeit ("5 bis 20 Tage") die Voraussetzung seiner Heilwirkung. Ebenso sollte Alkohol, Nikotin und Bohnenkaffee während dieser Zeit selbstverständlich wegfallen. Jedoch kann besonders bei älteren, geschwächten Menschen oder bei längerer Dauer der Kur - reifes, nicht zu saures oder hartes Obst vor, nach oder zu den Weizenmahlzeiten gegessen werden: Äpfel, Birnen, Pflaumen, Kürbis, Melonen, Zitrusfrüchte, Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren usw., roh oder gegebenenfalls auch gekocht. Ein besonderes Flüssigkeitsbedürfnis besteht während der Kousa-Kur im allgemeinen nicht, da durch den hohen Wassergehalt des Schleims und den Wegfall der sonst üblichen Kochsalzmenge kein Durst auftritt. Einige Schluck Obstsaft, Tomatensaft, Tee oder Wasser sind aber erlaubt. K o u s a erklärt sich die Erfolge seiner Diät mit ihrer primären Wirkung auf die Eingeweide und ihre Peristaltik. Seiner Ansicht nach bestehen bei vielen Menschen koprogene Ablagerungen auf den Schleimhäuten des Darmes, die zu Fäulnis- und Gärungsvorgängen führen und dadurch lokale Reiz- und toxische Fernwirkungen auslösen können, wie man sie bisher als Folge einer Dysbakterie zu erklären versuchte. Nach Homogenisierung des Kotes durch den Weizenschleim komme es allmählich zu einer Lösung dieser "Sedimente" und zu einer Selbstreinigung des Magen-Darmkanals, wodurch dieser wieder zu seiner physiologischen Tätigkeit befähigt wird. Im gleichen Maß entgiftet sich auch das Blut und der gesamte Organismus, was sich vor allem schon bald durch vermehrte Harnabsonderung, durch gehobenes Allgemeinbefinden und durch besseres Aussehen bemerkbar mache. Auch die Gewichtsabnahmen seien nicht unerheblich. K o u s a gibt besondere Erfolge seiner Diät an bei dyspeptischen Besehwerden, bei gastritischen Zuständen mit Hyper- oder Hypacidität in Verbindung mit oder ohne Ulkusbildung am Magen oder Duodenum, bei Enteritiden oder Colitiden einschließlich der chronischen Appendizitis, dann bei allen Obstipationsformen, bei Leber- und Gallenerkrankungen entzündlicher wie funktioneller Art, bei Nierenleiden und bei Hämorrhoiden. Auch krankhafte Veränderungen des Blutes, der Blutbildung und der Blutgefäße sowie Ablagerungen in den Geweben und Gelenken glaubt K o u s a durch seine Kur und ihre wiederholte Anwendung beseitigen zu können, sofern sie Folgen der geschilderten toxischen Vergiftung vom Darm her sind. Zwecks objektiver Nachprüfung all dieser Angaben haben sich unter genauer Beobachtung 25 Personen (teils gesunde Mitarbeiter einschließlich meiner selbst, teils Patienten meiner Klinik ohne besondere diagnostische Auswahl) der K o u s a -Diät unterzogen. Bei der Mehrzahl derselben wurden systematische Untersuchungen durchgeführt, deren vorläufige Ergebnisse ich hier mitteile. Abgesehen von allgemeinen Gesichtspunkten beschränkte ich mich dabei zunächst auf die Veränderungen des Stuhlganges und der Harnausscheidung. Die Versuchszeiten bewegten sich zwischen 4 und 10 Tagen, an denen ausschließlich der, nach der Originalvorschrift bzw. aus dem Fertigpräparat hergestellte Weizenschleim in einer Tagesmenge von 3/4 bis 1 Liter gegeben wurde, abgesehen von kleinen Mengen Obst oder Obstsaft, die aber zusätzlich 250 g bzw. 1/4 Liter täglich nicht überstiegen. Was den Nährwert des Weizens betrifft, so dürften - bei Zugrundelegung eines Kleieverlustes von 5 % durch das Passieren - in ihm 69 % Kohlenhydrate, 12 %Eiweiß und 1,8 % Fett enthalten sein (Schalle-Heisler). Die von mir verwendete Tagesmenge von 300 bis 400 g Weizen = 0,6 bis 0,8 Liter Brei enthält also rund 200 bis 270 g Kohlenhydrate, 36 bis 48 g (unvollständiges) Eiweiß und 5,4 bis 7,2 g Fett. Die tatsächliche Ausnützbarkeit dieser Bestandteile wird erheblich beeinträchtigt durch 2 Faktoren: die Einseitigkeit dieser Kost und ihr Uberschuß an säurebildenden Mineralstoffen; ferner die physiologischen Verluste durch Harn und Kot, die mit mindestens 20 bis 25 % anzusetzen sind (Ragnar Berg, Vogel). Nun besagt außerdem das Liebigsche Gesetz des Minimums (m. W. später durch Bircher-Benner bestätigt), daß kein Nahrungsbestandteil den anderen vertreten kann und daß bei gestörtem optimalem Verhältnis der einzelnen Bestandteile sich deren Verwertung immer nach dem in geringster Menge vorhandenen Nährstoff richtet. Eine noch so reichliche, aber einseitige Zufuhr von Cerealien ist für den Organismus also nicht voll als Nahrung verwertbar, sondern bedeutet vorwiegend „Füllstoff“. Verwertet wird davon nur der zwischen Kohlenhydraten, Eiweiß, Fett, Vitaminen und allen anderen lebenswichtigen Begleitsubstanzen in physiologisch optimalem Verhältnis stehende Teil. Unter Berücksichtigung dieser Tatsache liegt die ausnützbare Fettmenge von 0,6 bis 0,8 Liter Weizenschleim bei 4 bis 4,5 g. Sie stellt mit rund 1/10 des üblichen Tagesbedarfs also das "Minimum" aller vorhandenen Nährwerte dar. Demnach dürfte die zur Resorption kommende Kohlenhydratmenge mit 20 bis 30 g ebenfalls 1/10 des Tagesbedarfs kaum überschreiten. Unberücksichtigt bleibt dabei die Einschmelzung und "Verdauung" von körpereigenem Fett, die erfahrungsgemäß in den ersten Tagen einer solchen Entschlackungsdiät aber noch nicht erheblich ist. Unter Zugrundelegung obiger Weizenmengen werden bei der K o u s a -Diät etwa 1000 bis 1400 Kalorien zugeführt, von denen jedoch höchstens 100 bis 140 verwertet werden. Bei feinerer Passierung des Schleimes nimmt - ähnlich wie bei der Ausmahlung des Mehls - der Vitamingehalt, besonders an B-Komplex, rapide ab und der Säureüberschuß zu. Durch das lange Kochen werden außerdem manche andere biologischen Werte zerstört (Vitamin C, Auxone, Enzyme und Fermente usw.). Doch scheint es darauf gar nicht so sehr anzukommen, wie wir ja auch beim Heilfasten in seinen verschiedenen Formen bewußt solche Mängel in Kauf nehmen. Eine einseitige Kost ist allerdings etwas anderes, als ein völliger Nahrungsentzug. Nicht unwesentlich dürfte ferner der konstitutionelle Unterschied sein zwischen der einfach, natürlich und gesund lebenden Bevölkerung Griechenlands - wo Kousa seine Diät zunächst so erfolgreich anwandte - und der durch Zucker-, Weißmehl-, Eiweißüberfütterung und hundert andere zivilisatorische Faktoren "mesotrophen" westeuropäischen Menschheit, wo zudem auch der Weizen aus kranken Böden eine andere, biologische Wertigkeit aufweist. Latenter Vitamin B-Mangel, wie er einem hierzulande mit seinen verschiedenen neuritischen und neurovegetativen Zügen recht häufig begegnet, eignet sich keinesfalls für eine Kousa-Diät. Ein Diabetiker darf sich ihr selbstverständlich auch nur unter sorgfältiger ärztlicher Leitung unterziehen. Genügende Kohlenhydratausnützung vorausgesetzt, sind einige Weizenschleimtage aber ebenso geeignet, eine azidotische Stoffwechsellage zu kompensieren, wie die schulmäßigen Hafertage nach Noorden. Die Bekömmlichkeit der Weizendiät ist durchweg gut, auch bei Menschen mit geringer Appetenz. Magen- und Darmkranke unterziehen sich ihr gerne, da diesbezügliche Beschwerden meist rasch nachlassen und durch die freie Wahl der Würzung und die Obstbeigabe (evtl. gerieben oder im Starmix püriert) jedem Geschmack Rechnung getragen werden kann. Nur wenige der hier beobachteten Versuchspersonen klagten gegen Ende der Kur über deren Eintönigkeit. Das Allgemeinbefinden ist im Gegensatz zum strengen Fasten kaum beeinträchtigt, eigentliches Hungergefühl trat nicht auf. Auch beim Vorliegen einer Obstipation leichten bis schweren Grades setzte im allgemeinen schon nach wenigen Diättagen normale Peristaltik, mit täglich 1 bis 2 voluminösen, weich-geformten Stühlen ein. Je nach Lage des Falles mußte allerdings noch einigemale zu hohen Einläufen oder Darmbädern, zu anderen Heilkostformen, zur Sanierung einer Dysbakterie oder zum homöopathischen Simile übergegangen werden. Auch bei den meisten übrigen Versuchen wurde eine günstige Allgemeinwirkung der K o u s a - Diät bestätigt, wenngleich über spezielle therapeutische Erfolge hier genaue Aussagen noch nicht gemacht werden können. Soweit es sich um Patienten handelte, wurden außer der Diät noch andere milde Naturheilanwendungen gegeben, die an einem evtl. einsetzenden Heilungsvorgang beteiligt gewesen sein mochten. In diesen Fällen stellte die K o u s a - Diät zumindest die Überleitung zu einer wirksameren Kombinationstherapie dar, wie wir sie heute bei allen schwereren und chronischen Leiden in der Naturheilkunde auszuüben pflegen. Die Hauptwirkung einer längeren Weizenschleimkost ist in. m. E. die eines milden Heilfastens, wobei lediglich die bei völligem Nahrungsentzug auftretende. Azidose verhindert wird durch die Fortsetzung einer minimalen Kohlenhydratverbrennung. Die sonstigen subjektiven und physiologischen Begleiterscheinungen sind denen des echten Fastens recht ähnlich: Umstimmung des gesamten vegetativ-hormonalen Geschehens mit allen vom Fasten her bekannten Krisen wie Müdigkeit, Zungenbelag, gelegentlich Kopfschmerzen migränoider Art, lokale Reaktionen, spontane Darmreinigung, Entwässerung, Gewichtsabnahme. Letztere schwankte in den angegebenen Versuchszeiten zwischen 1 und 5 % des Ausgangsgewichtes (dessen Höhe jedoch nicht entscheidend ist für den Grad der Abnahme). In Verbindung mit der besseren Darmentlehrung und meist rascher Beiseitigung meteioristischer Zustände konnte dadurch mehrmals ein Rückgang R o e m h e 1 d scher Syndrome und einer Kompensation beginnender Kreislaufschwächen bei korpulenten Patienten erzielt werden. Die bei 20 nierengesunden Versuchspersonen durchgeführte Messung der Harnausscheidung ergab fast ausnahmslos ein Maximum von 1000 bis 2000 ccm proTag innerhalb der ersten 36 bis 48 Stunden. Innerhalb dieser Zeit erreicht die diuretische Wirkung der K o u s a - Diät also nur annähernd die der üblichen salzarmen Kost, der Kempnerschen Reisdiät oder der Fastenkur. Ausgesprochen hydrämische oder hydropische Personen kamen bei dieser Versuchsreihe allerdings nicht zur Beobachtung. Die Messungen an den späteren Tagen ergaben nur in 2 Fällen noch je eine 24-Stunden-Harnmenge von mehr als 1000 ccm; sonst wurden durchwegs Harnmengen von 200 bis 800 ccm pro Tag ausgeschieden, vorwiegend um 300 ccm. In den beiden Fällen mit einer Spitze über 1000 ccm am 4. bzw. 5. Tag war an allen vorausgehenden Tagen weniger als 1000 ccm ausgeschieden worden. Fünf Versuchspersonen erreichten an keinem Tag 1000 ccm, obwohl auch bei diesen keine Erkrankung der Harnorgane oder des Kreislaufs vorlag. Rechnen wir die in 24 Stunden zugeführte Flüssigkeitsmenge mit dreimal ¼ Liter Brei + ¼ Liter Obst oder Obstsaft = 1 Liter täglich, so wurden an 6 Versuchstagen also insgesamt 6 Liter Flüssigkeit von jedem Probanden aufgenommen. Dieses Flüssigkeitsquantum wurde - gemessen an 13 Personen - nicht ein einzigesmal voll ausgeschieden, geschweige denn überschritten. Das durchschnittliche Tagesmaximum betrug 850 ccm, das Minimum 260 ccm Urin. Nach meinen Erfahrungen und den Angaben von Schenck-Meyer ("Die Fastenkur") löst ein Tee- oder Saftfasten von 6 Tagen Dauer ziemlich regelmäßig eine überschießende Harnmenge aus, die erst in der 2. oder 3. Fastenwoche unter dem Einfluß der Wasserverarmung des Körpers und des wiederhergestellten Mineralsalz-Gleichgewichtes nachläßt. Bei 16 Personen wurde der pH-Wert des Stuhls zu Beginn und Ende der Diät gemessen (Lyphan-Papier). Es ergaben sich dabei sechsmal gleichbleibende Werte, sechsmal ein um 0,4bis 0,3 pH saurer und viermal ein um 0,2 bis 0,8 pH alkalischer Wert. Diesbezügliche Schlüsse können also nicht gezogen werden. Die Ergebnisse scheinen weitgehend von konstitutionellen und bakteriell-fermentativen Bedingungen abzuhängen.Die pH-Verschiebungen erfolgten auch völlig unabhängig von der Ausgangslage. Trotz des Säureüberschusses des Weizens bewirkt dieser jedenfalls nicht grundsätzlich eine Azidose des Stuhls, zumindest nicht innerhalb der meinen Versuchen zugrundeliegenden Zeitdauer. Ähnliche unklare Schwankungen des Stuhl-pHs sind übrigens auch bei anderen diätetischen Umstellungen und bei Fastenkuren zu beobachten, ohne daß sich hieraus bestimmte Schlüsse hinsichtlich Kurwirkung oder Gesundheitszustand ziehen lassen. In 15 Fällen wurde der Stuhl vor und nach der Kousa-Diät bakteriologisch-physiologisch untersucht (Laboratorium für Darmbakteriologie Dr. E. Lienhop, Hannover-Kleefeld). Die Ergebnisse waren folgende (als vereinfachte Bezeichnungen gelten für unerhebliche Entartung der Colibakterien bzw. Überwiegen normaler Formen gegenüber Entartungsformen: +, für mittlere Grade der Entartung bzw. erhebliche Reduktion der Coli-Keimzahl: ++, für hochgradige Entartung bzw. völliges oder nahezu völliges Fehlen normaler Colibakterien: +++): Wer viele bakteriologische Stuhluntersuchungen vorzunehmen und zu beurteilen hat, weiß, wie schwer deren Ergebnisse zu bewerten und wie widerspruchsvoll dieselben nicht selten sind. Grundsätzlich besteht auch ein wesentlicher Unterschied zwischen Darmflora und Stuhlflora. Nur die erstere dürfte konstant und charakteristisch sein, die letztere ist ziemlich variabel. Dennoch läßt die Stuhlflora, auf deren Untersuchung wir nun einmal angewiesen sind, gewisse Schlüsse auf die Darmflora und den allgemeinen Gesundheitszustand des Menschen zu. Die vorliegenden, unter Weizendiät zustandegekommenen Ergebnisse bedürfen zu ihrer Deutung unbedingt noch weiterer Untersuchungen an einer größeren Zahl von Versuchspersonen, wobei auch konstitutionelle Faktoren zu berücksichtigen wären. Zunächst läßt sich mit einiger Sicherheit nur etwas aussagen über die vorwiegend positive Wirkung der Kousa-Diät auf die Schleimhäute der Verdauungsorgane und deren fermentative Störungen. In den Fällen unverändert gebliebener Schleimhaut- und Fermentverhältnisse ist aus obiger Tabelle allerdings nicht ersichtlich, ob und in welcher Hinsicht diese etwa schon vor Beginn des Versuches gestört waren. Eine eindeutige Besserung der Dysbakterie ohneVerschlechterung anderer Ergebnisse war nur bei 1, 10, 12 und 13 zu verzeichnen. Zusammenstellung: Die von Dr. Argyris Kousa angegebene Weizendiät stellt eine kalorienarme, leicht verdauliche Heil- und Schonkost dar. Sie wirkt - allerdings nur in den ersten Tagen - schwach diuretisch nach Art einer salzarmen Kost. Die assimilierende Leber-, Gallen- und Pankreasfunktion wird geschont. Gärungs- und Fäulnisprodukte des Magen-Darmkanals können schleimig eingehüllt und ausgeleitet werden, wodurch sich Beschwerden dysfermentativer wie dysbakterieller Herkunft bessern können. Unter der vorwiegend indifferenten Füllung entspannen, reinigen und regenerieren sich die Schleimhäute der Verdauungsorgane und ihre spastische oder atonische Peristaltik normalisiert sich. Darüber hinaus wirkt sich der vorwiegende oder ausschließliche Gehuß von Weizenschleim als eine Art Heilfasten aus. Auf dem Wege einer vegetativ-humoralen Umstimmung werden körpereigene Ablagerungen und Schlacken resorbiert und Heilkrisen angeregt, ohne daß es zur üblichen Azidose des strengen Fastens kommt. Die Kousa-Diät eignet sich zur ambulanten und klinischen Behandlung aller Leiden, die auch sonst diätetisch oder fastentherapeutisch erfolgreich angegangen werden. Es sind dies in der Hauptsache alle funktionellen und entzündlichen Störungen des Magens, des Darmes, der Leber, der Galle und der Nieren, alle fermentativen und bakteriellen Veränderungen der Verdauung, speziell die habituelle Obstipation, des weiteren alle rheumatischen und gichtigen Leiden, bei denen es auf eine Umstellungstherapie und Einschränkung der Purinzufuhr ankommt, des weiteren die allergischen Zustände der Bronchien und der Haut, die angiosklerotisch bedingten Kreislaufstörungen des Herzens und der Peripherie einschließlich Hypertonie, schließlich auch die alimentäre und alimentär-endogene Fettsucht, sofern sich der Patient einem strengeren Regime nicht unterziehen kann oder will. Die Kousa-Diät kann nach ärztlicher Entscheidung jederzeit durch den Patienten auch zuhause und ohne Störung der beruflichen Tätigkeit durchgeführt und periodisch in beliebigen Abständen wiederholt werden. Unter Berücksichtigung der erwähnten Einschränkungen und Grenzen stellt diese Kostform eine brauchbare Erweiterung der neuzeitlichen heildiätetischen Möglichkeiten dar. Schrifttum: 1. Hippokrates 24/1952 (Originalarbeit Dr. Argyris Kousa). - 2. Spur des Lebendigen 3/1953 (Referat über 1.). - 3. Spur des Lebendigen 4/1953 (Anfrage betr. Zubereitung). - 4. Spur des Lebendigen 5/1953 (ablehnende Kritik aus dem Leserkreis). - 5. Spur des Lebendigen 3/1954 (Antwort.Dr. A. K. auf 3. betr. Zubereitung). - 6. Bionomica April/1954 (Referat über die Methode). 7. NeuformKurier 4/1954 (Referat über die Methode). 8. Neuform-Echo 6/9154 (ähnlicher Text wie 1.). - 9. Industrie-Kurier, Düsseldorf 17. 7. 1954 (Referat). - 10. Der neue Mensch 8/1954 (Referat aber den von Dr. A. K., auf der Hauptversammlung der VUD am 6. 6. 1954 gehaltenen Vortrag ) 11. Kneipp-Blätter 9/1954 (Eigenreferat Dr. A. K) -12. Die Volksgesundheit 11/1954 (Eigenreferat Dr. A.,K.).
Anschrift: Dr. K. Windstosser, Privatklinik Jägerwinkel, Bad Wiessee (Obb.) |
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