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Eigenblut und Eigenharn

Eigenblut, von BIER (1861 - 1949) vor 90 Jahren rehabilitiert und bei verschiedenen chirurgischen Indikationen eingesetzt, hat sich seither als Halbantigen bei allen möglichen Stoffwechsel-, Drüsen- und Hautkrankheiten in der Hand des Praktikers immer wieder bestens bewährt. Für sich allein eingesetzt, ist es in der Krebstberapie etwas zu schwach, in Form der verschiedenen Blut-Sauerstoff- und Blut-Ozonbehandlungsverfahren jedoch nach wie vor aktuell (siehe dort). Durch Zugabe des Serumaktivators nach THEURER wird Eigenblut zum Vollantigen und kann dann auch in potenzierter Form V. fd. Besonders während der ersten Behandlungsphase und zur Unterstützung der Symbioselenkung empfehlenswert als milde Antigene sind folgende, Coli-Stoffwechselprodukte enthaltende, bakterienfreie Präparate:

Symbioflor-Antigen der Firma Mikrolabor, langsam ansteigend in den Stärken H, A und B mit entsprechenden Intervallen s.c. zu spritzen.

Das gleichwertige Colibiogen der Firma Laves, in Ampullen gleicher Stärke, 6 - 12-mal mit entsprechenden Intervallen i.m. oder i.v.

Diese Antigene bereiten überdies durch Desensibilisierung der Darmschleimhaut den Boden für die im Kapitel "Dysbiose, Symbioselenkung und enterale Immunität" erläuterte mikrobiologische Therapie

Hierher zählt ferner das altbewährte Immunstimulans und Alterans Omnadin, das ebenfalls bakterielle Eiweißkörper und organische Lipoide enthält, zur Konservierung allerdings leider immer noch 5 mg Phenol je Ampulle.

 

Man vergleiche außerdem die in den Kapiteln "Mesenchym" und "Organtherapie“ aufgeführten Präparate. Darüber hinaus bewirken alle ganzheitstherapeutischen Maßnahmen, sofern sie sachgemäß und individuell zur Anwendung kommen, direkt oder indirekt eine Steigerung der körpereigenen Abwehr, auch wenn diese nicht immer mit wissenschaftlicher Präzision messbar ist. Aufbau in kleinen Schritten ist bei Immunschwäche oft der bessere Weg. Man vernachlässige nicht die hier besonders wichtige Therapiekontrolle und erinnere sich immer wieder der Vollwertkost und der Symbioselenkung. Ein weiteres, viel stärkeres, sogar von der Lehrmedizin als Immunaktivator anerkanntes Antigen zur perkutanen Anwendung ist das BCG, eine nach den Angaben von CALMETTE und GUERIN inaktivierte bovine Tuberkelbazillen-Vaccine. Sie wurde von MATHE, dem langjährigen Leiter des französischen Krebszentrums in Villejuif, in die Tumortherapie eingeführt. Positive Erfolge wurden bisher von klinischer Seite hauptsächlich beim malignen Melanom gemeldet, doch

finden sich unter der einschlägigen Literatur zahlreiche Bestätigungen der immunkompetenten BCG-Wirkung auch bei anderweitigen Tumoren. Der Impfstoff, die BCG-Vaccine der Behringwerke, wird unter vorsichtigem in skarifizierte Hautareale eingerieben, die je nach Ausfall der Reaktion allmählich vergrößert werden können. Es kommt zu mehr oder weniger heftigen Entzündungen, die bei empfindlichen, zu Allergie neigenden Patienten mit Allgemeinerscheinungen verbunden sein können. Vor der i.c.- oder s.c.- Injektion von BCG ist zu warnen, weil diese in nicht voraussehbarer Weise gelegentlich heftige Phlegmonen und tiefe Abszesse sowie Einschmelzung regionaler Lymphdrüsen mit hässlicher Narbenbildung zur Folge haben können. Dies würde u.U. eine Überforderung und unerwünschte Schwächung des Abwehrsystems bedeuten. Bei vorsichtiger und individueller Dosierung ist die durch BCG erzielbare Resistenzsteigerung jedoch eindrucksvoll und nachhaltig: Die Immunglobuline werden aktiviert, die immunkompetenten Zellen steigen an und es kommt zu Abstoßungsreaktionen gegen fremdes Gewebe. Eine Wiederholung der Impfung darf erst nach völliger Abheilung, der vorausgehenden Reaktion erfolgen. Keinesfalls geimpft werden darf bei hochgradiger Immunschwäche (siehe "Summationsdiagnostik"), bei manifesten Infekten, insbesondere Tbc, sowie bei Patienten, die Kortikosteroide oder ACTH bekommen.

Wegen der beschriebenen Problematik der Immunantwort auf BCG wurde dieses im WERNER ZABEL-INSTITUT nie verwendet, statt dessen das auch von SOUM II wärmstens empfohlene, milder wirkende und leichter steuerbare Tuberkulin. Man beginnt mit 0,1 - 0,2 ml der Sorte GT 1000 der Behringwerke streng intrakutan (Tuberkulinspritze und Insulinkantile), am besten in die Mitte des Oberschenkels. Auf die Bildung der weißen Quaddel ist dabei zu achten. Spritzt man zu tief, also s.c., so wird das Tuberkulin abtransportiert und es kommt nicht zu der erforderlichen Hautreaktion, die einerseits Kriterium für die Beurteilung des Abwehrvermögens, andererseits längerwirkender Fokus zur erwünschten Abwehrsteigerung sein soll. Die Intervalle der Injektionen richten sich auch hier nach der erzielten Wirkung. Immer muß vor der Wiederholung die örtliche und die hier weit seltenere Allgemein-Reaktion völlig angeklungen sein. Als Kontraindikationen gelten die bei BCG angegebenen.

Ein in gleicher Weise verwendbares und hinsichtlich der Immunität auswertbares Verfahren bietet der Multitest Merieux. Die Zäckchen des dazu erforderlichen Stempels enthalten 7 verschiedene Antigene: Tetanus, Diphtherie, Streptokokkus, Tuberkulin, Candida, Trichophyton, Proteus und eine neutrale Kontrolle. Die nach 48 Stunden entstandenen Entzündungsherde um die kleinen Stiche werden zweidimensional in Millimetern gemessen und die im Mittel dieser beiden Zahlen über 2 mm großen Reaktionen als positiv bewertet.

Die Methode hat allerdings den Nachteil, daß die Antigene nicht exakt dosierbar sind und daß das Einzelantigen, auf das der Patient maximal anspricht, nicht für sich in ansteigender Menge repetiert werden kann.

Klinisch bewährt hat sich ein relativ neues, zunächst nur bei melanotischen Tumoren und deren Metastasen versuchsweise angewandtes Verfahren einer Kutanreaktion mit immunstimulierender Wirkung: Die Einreibung von Dinitrochlorbenzol (DNCB), chemisch verwandt dem Nitroglyzerin (Dynamit). Da es noch kein Handelspräparat gibt, muß es 0,5 - 1%ig, in einer leicht resorbierbaren Salbengrundlage (Linola fett, Ung.Cordes, pH 5-Eucerin o.ä.) rezeptiert werden. Die im Handel erhältliche Mindestmenge von DNCB ist.allerdings 1 kg. Kleinere Mengen (20, 30 oder 50 g) liefert die Quellenapotheke, Parkstr.48, 4902 Bad Salzuflen. Man reibt diese Salbe mit einem Gummifingerling, auf einem kleinen Hautbezirk über der Resektionsstelle oder über dem tumorverdächtigen Knoten sanft ein und wiederhole dies mehrere Tage hintereinander, bis sich eine kräftige Dermatitis gebildet hat. Ist diese abgeklungen, kann die Einreibung in gleicher Weise beliebig oft wiederholt werden. Einer Anwendung an mehreren Körperstellen steht nichts im Weg. Diese "epifokale" Reiztherapie provoziert eine sowohl örtliche als auch allgemeine T-Lymphozytose, Phagozytose und Eosinophilie. Es wurden dabei schon mehrmals vollständige Remissionen von Primärtumoren und Metastasen beobachtet. Präoperativ angewandt, behindert die Dermatitis zwar zunächst die Exzision, es könnte aber immerhin der Fall eintreten, daß sich der Chirurg, von der Verkleinerung des Tumors überzeugt und auf die beabsichtigte operative Entfernung verzichtet.


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